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Ellenberg
xandru:
Hallo mal wieder in Ellenberg,
Heute waren wir dort und haben von allen fünf Bäumen den Umfang gemessen – und zwar einmal nach der Waldmesslehre (1,30 über Hangoberseite) und einmal 1,30 über dem geschätzten Pflanzpunkt. Ferner habe ich den Bäumen eine eigene Seite in unserem Wiki gesponsert, wo ich auch gleich die alten und neuen Maße eingetragen habe.
Es gibt ja eine Diskussion, ob die drei südlichen Bäume nun aus der Wilhelma-Saat stammen oder nicht. Der mittlere Baum (ID 10033) sieht durchaus wie ein Wald-BM aus dem 19. Jahrhundert aus. Der Stamm ist schlanker als bei einem Park-BM, behält aber bis ziemlich weit oben eine ziemliche Dicke. Ein Wurzelhügel ist deutlich spürbar; zum Glück haben sie das Gestrüpp weggeschnitten, so dass wir ihn auch messen konnten.
Die beiden benachbarten Bäume am Parkplatz hingegen haben ausgesprochen filigrane Stämme. Die Höhe dürfte sich zwischen 32 und 35 Metern bewegen. Freilich haben sie offensichtlich beide Blitzschäden bekommen: der linke Baum näher an der Kronenmitte und der rechte Baum so weit oben, dass derzeit noch zwei Leittriebe konkurrieren. Als wir vor den beiden Bäumen standen, war der Eindruck eher der: Sie sind älter als sie auf den ersten Blick scheinen, aber im Vergleich zu den drei anderen Mammutbäumen dort deutlich jünger; die Schätzung ging ins frühe 20. Jahrhundert.
Den Abstand haben wir gemessen mit 7,15 Metern; das macht ganz knapp 25 württembergische Fuß. Nach allem, was ich inzwischen weiß, kommen Werte von 19…21 Fuß häufig vor und auch Werte ziemlich genau bei 30 Fuß. Andererseits ist die Fläche neben dem Parkplatz ausgesprochen eben und wunderbar für eine Versuchspflanzung geeignet. Der Parkplatz ist zur Verbindungslinie zwischen den Bäumen etwa um 45° gedreht, so dass hier vielleicht ein kleines Schachbrett stand, von dem lediglich zwei diagonal benachbarte Bäume übrig geblieben sind. Dann würde die Seitenlänge des Quadrats aber 17,6 Fuß messen, was wiederum ungewöhnlich eng wäre.
Es bleibt also rätselhaft und eine Entscheidung kann wohl nur eine historische Quelle bringen, die wir nicht kennen.
…
xandru:
…
Die aktuellen Mess-Ergebnisse waren (08-2013):
ID 10032: WaMeL: 426…431 → 1,36 m Pflanzpunkt: 499…504 → 1,60 mID 11 : WaMeL: 625…630 → 2,00 m Pflanzpunkt: 697…738 → 2,28 mID 10033: WaMeL: 424…428 → 1,36 m Pflanzpunkt: 489…507 → 1,59 mID 10034: WaMeL: 324…329 → 1,04 m Pflanzpunkt: 369…378 → 1,19 mID 15924: WaMeL: 384…390 → 1,23 m Pflanzpunkt: 451…466 → 1,46 m
Vermessene Grüße,
Wolfgang
gamberle:
--- Zitat von: xandru am 30-August-2013, 00:30 ---
Es gibt ja eine Diskussion, ob die drei südlichen Bäume nun aus der Wilhelma-Saat stammen oder nicht.
...
Es bleibt also rätselhaft und eine Entscheidung kann wohl nur eine historische Quelle bringen, die wir nicht kennen.
--- Ende Zitat ---
Hallo,
ich habe eine historische Quelle gefunden, die einen Hinweis gibt.
Laut der Oberamtsbeschreibung von Ellwangen aus dem Jahre 1886 (Kapitel Natürliche Beschaffenheit, Abschnitt Pflanzen- und Thierreich) sind im Winter 1879/80 "wohl" bis auf eine Ausnahme im Häsleswald (gemeint ist sicher die heutige ID 11) alle Wellingtonien im Oberamt erfroren.
Der Text sagt damit eigentlich auch aus, dass ID10032, der ja im Umfang deutlich geringer ist als ID11 nicht aus der Wilhelmasaat stammt.
Diese Oberamtsbeschreibungen waren schon ziemlich zuverlässig und sorgfältig, schließlich waren es die amtlichen, landeskundlichen Beschreibungen des Königreichs.
Auffallend ist am Rande auch, dass ID 3276 in Schrezheim nicht erwähnt wurde. Allerdings ist dies auch kein forstlicher Standort.
Hier der Text:
Von seltenern Nadelhölzern finden wir angepflanzt im Bezirk die Schwarzkiefer Pinus nigricans Host., eingesprengt an vielen Orten, geschlossen 1/2 ha im Revier Dankoltsweiler; ebenso die Weymuthskiefer Pinus Strobus L., welche besonders am Rande der Waldwege sehr beliebt ist. An interessanten Punkten in den Waldungen haben die Forstbeamten längst in dankenswerter Weise kleine Anlagen angelegt, welche mit fremden Hölzern geziert sind; hier stehen größere oder kleinere Exemplare von Pinus balsamea L., Pinus Pinsapo St. (Hornbergbrunnen, Häsleswaldanlagen), Pinus Pumilio Hänke im Revier Wörth in Folge einer alten Samenverwechslung an 3 Stellen,[ER 7] Abies Douglasi Lindl., Pinus canadensis Ait., Pinus alba Ait., Gingko biloba L. (Knöringendenkmal). Die Wellingtonien, Sequoia gigantea Torr. sind im Winter 1879/80 wohl alle erfroren bis auf 1 Exemplar im Häsleswald. Die Lärche Pinus Larix L. steht meist als Wegeinfassung im Walde, geschlossen 1 ha in verschiedenen Revieren.
Gruss
Andi
xandru:
Hallo Andi,
Vielen Dank für diesen Hinweis. Die Formulierung „im Winter 1879/80 wohl alle erfroren bis auf 1 Exemplar im Häsleswald“ scheint auch mir eindeutig.
Sie lässt eigentlich nur den einen Schluss zu, dass die vier anderen Mammutbäume dort jünger sind. Im Vergleich zum lokalen Champion (100%) beträgt der Durchmesser der vier anderen Exemplare dort 70%, 70%, 60% und 50%.
Eine proportionale Berechnung aus Dicke und Alter verbietet sich, zumal die beiden südlichen Exemplar eindeutig den Habitus eines Wald-BMs aus dem 19. Jahrhundert haben. Sie müssen nicht von 1865 sein; eine Zeit um 1880 oder 1890 könnte auch passen.
Umso mehr drängt sich aber die Beobachtung auf, dass der Sequoiadendron ID 11 für einen Wilhelma-Baum ungewöhnlich dick ist; nur 12 andere Wilhelma-Bäume überschreiten die Zwei-Meter-Marke:
* ID 57, Neuweiler, Hofstett
* ID 364, Sachsenheim, Ochsenbach
* ID 55 und ID 10633, Calw, Hirsau
* ID 3607, Tettnang
* ID 362, Tuttlingen
* ID 1348, Friedrichshafen, Stadtgarten
* ID 2, Welzheim, Exemplar außerhalb der Sechserreihe
* ID 8, Hemmingen, Schlosspark
* ID 12 und ID 15777, Lorch, 1 BM außerhalb und 1 BM innerhalb der Reihe
* ID 5, WeissachBegünstigende Faktoren für einen starken Stamm sind einerseits ein hoher Wasserzuzug und andererseits eine wind-exponierte Lage, möglichst als Solitär. Kann es nun sein, dass die ID 11 geschätzte 30 Jahre frei stand, also außerhalb des Waldes, und ihre beiden Nachbarn zusammen mit dem Wald dazwischen erst gegen 1890 gepflanzt wurden?
Hypothetische Grüße,
Wolfgang
gamberle:
Hallo Wolfgang,
es ist eingetreten, was ich befürchtet habe: jemand geht auf meinen Beitrag vom 07.04. ein, noch bevor ich eine notwendige Korrektur hierzu gepostet habe, die ich seit Wochen irgendwie vor mir herschiebe. Ich musste beim weiteren Durchlesen dieser Oberamtsbeschreibung feststellen, dass die darin enthaltenen Informationen doch nicht so zuverlässig sind, und hinsichtlich der Erwähnung der Wellingtonien widersprüchliche Angaben enthalten.
Ich suche den entsprechenden Artikel in einem späteren Kapitel der Oberamtsbeschreibung heute noch raus und poste den Wortlaut.
Gruss
Andi
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