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Autor Thema: Pflanzabstände beim BM  (Gelesen 87769 mal)

Waldläufer

  • Gast
Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #30 am: 18-November-2009, 20:37 »

Hallo,
soche Diskussiionen bringen das Forum weiter, auch wenn nicht allle gleichzeitig Recht haben können. Das Motto nichts ist falsch oder richtig
ist doch etwas zu kuschelig. Wenn man falsch liegt lernt man eben was dazu. Muß jetzt doch noch mal einige Aspekte ansprechen.
Der eine will weil er zuviele Pflanzen ( ist mir auch oft so passiert) angezogen hat dichte Reinbestände anlegen u. die Selektion ihr Werk verrichten lassen
in der Hoffnung auf Genoptimierte Altbäume. Bei starkem Dichtstand stagniert der Mammutbaum u. kann schnell absterben. Man sollte also dem M.baum schon
den nötigen Wuchsraum geben sonst gibts nur Leichen. Die hohe Vegetationsdruckanfälligkeit ist amtlich u. sollte einfach mal akzeptiert werden.
Da der G.-Mamutb. ein relativ kleines Areal besiedelt ist die Genvarianz relativ bescheiden aber schon vorhanden.
Grundlage jeder Pflanzung sollte doch das Wissen über die Anprüche u. Eigenschaften hier des M.-Baumes sein. In vielen forstlichen Versuchen wurde die hohe
erwähnte Vegetarionsdruckempfondlichke it in Verbindung mit anfangs nur moderatem Wachstum das fast immer zur Bedrängnis durch andere Arten führt
als starkes Erschwernis für den forstlichen Anbau erwähnt. Auch Mammutbaumkollegen werfen Schatten! Kiefer,Lärche u. Kirsche sind Schnellstarter das sollte
auch ein Förster wissen. Auch wenig Schatten ist zuviel.
Der Trockensommer 2003 hat gezeigt, daß Altreinbestände dies nicht verkraften, während kleine Gruppen u. Einzelbäume keine Probleme hatten.
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Zinnauer

  • Gast
Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #31 am: 18-November-2009, 20:55 »

Eines ist klar:
Die Verfechter weiter Abstände werden nie wissen,
welche Chancen auf besseres Wachstum sie vergeben haben.
Aber die der Verfechter der "kürzeren Abstände" auch nicht ! :)

Da möchte ich nochmals widersprechen und meinen Standpunkt anhand eines Gedankenexperiments unterstreichen:

Stellt euch vor, man möchte im Prinzip BMs in relativ weiten Abständen aufwachsen lassen - allein oder mit diversen Füllbaumarten ist jetzt nicht wichtig. Man möchte Abstände von rd. 20m haben und pflanzt an den gewünschten Standorten statt einem BM 2, etwa im Abstand von 2,5 - 3m. Diese 2 werden sich vielleicht nach 7 bis 10 Jahren berühren, können aber ohne merkbare Wachstumsverluste 15 bis 20 Jahre nebeneinander wachsen. Danach fällt man eine Entscheidung für den einen oder anderen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird einer der beiden besseres Wachstum als der andere zeigen. (Wobei natürlich auch Entscheidungen nach rein subjektiven Kriterien wie Kronenform, Nadelfarbe, Zapfengröße oder was immer denkbar sind.)

Hat man dann am Ende dieses Prozesses nicht einen besseren BM-Wald geschaffen als hätte man an die gewünschten Standorte nur jeweils einen BM gepflanzt?

LG
Michael
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Xenomorph

  • Gast
Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #32 am: 18-November-2009, 23:32 »

Hallo Remi,

Zitat
...hoffentlich kommt die message rüber...!?

ja ist angekommen. Ich verstehe was du meinst bzw. erreichen willst und halte es auch nicht für abwegig. Wenn du es gewissenhaft und "sanftmütig" angehst, kann dein Weg ebenfalls zum Erfolg führen.  :)

Aber: Ich glaube dass du das Ausmaß, in dem sich der BM von anderen, insbesondere europäischen Baumarten unterscheidet, noch nicht voll verinnerlicht hast. Ich habe den Eindruck du hältst ihn immer noch für eine zwar etwas exotische und vielleicht etwas größere, aber ansonsten im Prinzip stinknormale Nadelbaumart.

Dem ist aber nicht so! Der BM stammt nicht nur, wie wir ja alle wissen, aus einer komplett anderen Waldgemeinschaft bzw. einem komplett anderen Ökosystem, er stammt zusätzlich auch aus einer komplett anderen Zeit! Er ist ein Anachronismus, auch in seinem natürlichen Habitat in der Sierra Nevada.

Er macht als junger Baum einen sehr modernen, geradezu perfekten Eindruck, und er war zweifellos ein großer (in jeder Hinsicht!  ;D) Wurf der Evolution, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen! Michael (Tuff) und ich sind uns inzwischen einig, dass nicht einmal die Sierra Nevada zu ihren besten Zeiten und wenn man jeden menschlichen Einfluss mal ausklammert das optimale Habitat für den BM darstellt bzw. als der Ort gelten kann, an dem sich der BM entwickelt hat und an den er eigentlich angepasst ist. Die Sierra dürfte allenfalls ein schlechter Ersatz für diese "Urheimat" (nämlich das Colorado-Plateau im Tertiär) sein. Heute schafft er es gerade so, dort als Art zu überleben.

Das Vorhaben ihn in unsere Wälder zu integrieren ist von Anfang an kein natürlicher Prozess. Zumal wenn man ihn im Flachland in dichte Laubwälder einbauen will. Da kann man doch nicht mit der Brechstange vorgehen und meinen, wenn man ihn nur hart genug anpackt wird er von heute auf morgen ein "urdeutscher" Baum. Mann kann doch seine "Wurzeln" (im Sinn von Herkunft, Ökologie, Entwicklungsgeschichte) nicht einfach ignorieren.

Es geht doch nicht darum dass ich den BM für ein Sensibelchen halte das man mit Samthandschuhen anfassen muss, sondern es geht um artgerechte und schrittweise Integration in die europäischen Wälder (wobei ich wie schon gesagt die Gebirge und Mittelgebirge für die vielversprechendsten Standorte halte, da sie dem BM am weitesten entgegen kommen).

Was hilft es dir, um auf dein Beispiel mit den KM zurückzukommen, wenn du 20 KM-Sämlinge hast, von denen vielleicht einer die genetische Veranlagung hat -18° C aushalten zu können, wenn du alle deine Sämlinge -20° C Frost aussetzt? Sie werden alle tot sein, und von dem besonders frostharten wirst du nie etwas erfahren. Das Beispiel ist natürlich übertrieben, aber es zeigt doch dass man behutsam vorgehen muss.

Was kann man denn von einem BM für den Mischwald im europäischen Flachland maximal erwarten? Vielleicht dass er etwas pilzresistenter ist als die Norm, dass er ein kleines bisschen mehr Schatten verträgt und ein kleines bisschen schneller wächst als die Norm, um mit dichteren Waldgemeinschaften besser klarzukommen. Aber du kannst ihn nicht komplett "umkrempeln". Und diese gewünschten Eigenschaften kannst du doch schon bei deinen Sämlingen selektieren, bevor du sie auspflanzt. Da kannst du deine Begeisterung für's Züchten ausleben.  ;)

Verwende einfach kein Fungizid und schon kommen nur die durch die sich am besten gegen Pilze zur Wehr setzen können; nimm nur die Wüchsigsten sowie evtl. dunkler benadelte Exemplare (wobei letzteres auch keine Garantie für effiziente Fotosynthese ist, Wüchsigkeit hingegen denke ich schon). Danach pflanze sie aber so, dass sie eine echte Chance haben zu großen, stattlichen und schönen Exemplaren zu werden. Das ist doch für's erste Selektion genug!

Ausfälle am Endstandort kommen so oder so noch dazu. Denk doch zB. mal an die Wilhelma-Saat: Die haben Winter hinter sich wie wir sie heute nicht mehr kennen. Und bestimmt auch viele völlig verregnete und trübe Sommer, die in den letzen Jahren so auch nicht mehr vorkommen. Das ist doch schon eine Selektion, und ich halte diese BM für wertvoll obwohl nördliche Herkünfte vielleicht nicht als die wüchsigsten gelten.

Aber wenn du sie zu dicht pflanzt entspricht das nicht den natürlichen Ansprüchen des BM, also wenn du das willst warum pflanzt du dann nicht lieber eine andere Baumart? Man muss es doch nicht gegen den Strich erzwingen wollen. Der Waldläufer/Bernt hat es auch schon geschrieben: Es liegen doch schon vielfache Erfahrungen vor die gezeigt haben, dass der BM viel Licht braucht und kaum Konkurrenz verträgt. Das sagen auch die Fachleute die vielleicht ansonsten die von dir zitierten engen Pflanzabstände für europäische Baumarten vorschlagen. Warum sich gegen Ergebnisse stemmen die bereits bei zahlreichen verlustreichen Versuchen erzielt wurden?

Wenn die Pflanzung von Mammutbäumen hierzulande eh schon rein menschengemacht ist, warum dann nicht wenigstens für einigermassen artgerechte Bedingungen sorgen? Und zudem: Ein paar besonders starke werden auch bei dir überleben, aber sind die dann eine gute "Reklame" für unser Vorhaben wenn sie auf Grund der schwierigen Umstände alle nur weit unterdurchschnittlich groß, evtl. schräg gewachsen und schütter sind? Da wird doch jeder sagen: "nee der BM ist nix für den deutschen Wald- ich pflanz lieber was anderes". Wollen wir das?  ;D

Soweit zu meinem Standpunkt. Hoffe auch diese message ist angekommen?  ;) :)

Urzeitliche Grüße, Clemens
« Letzte Änderung: 19-November-2009, 00:08 von Xenomorph »
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Fritz

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #33 am: 19-November-2009, 08:44 »

Superspannendes Thema! Nach jedem Eurer Beiträge denke ich "stimmt" ...  ::) ... was natürlich nicht geht bei völlig konträren Meinungen aber meine Sorge als (leider) kein Waldbesitzer auch nicht sein soll  :P

Fakt ist aber leider, dass BM echt rummickert wenn andere Bäume (fast egal welche) in seiner Nähe stehen ... seine Konkurrenzschwäche (jedenfalls die ersten 100 Jahren) will so gar nicht zu seinem Machoimage passen ... jede (zu eng stehende) Waldkiefer/Fichte/Lärche oder Laubbaum wird ihn (mind.) stark im Wuchs beeinträchtigen und zu Deformationen führen. Was aber auch "natürlich" ist und evtl. mickerten auch die derzeitigen (echten) Giganten  in Zeiten vor dem römischen Prinzipat (ganz schön lang her!) auch rum und sahen aus wie ein überfahrenes Hühnchen ...  zogen sich aber dann, 500 Jahre später, wieder gerade  ;D

Wenn man ehrlich ist, entzieht sich ein BM sowieso menschlicher Einflußnahme durch schlichten Zeitablauf ... wenn Mr. Spok (oder so) im Jahr 4.469 im Spacepark Wahlenstedt landet wird er denken was unsereins in Stonehenge denkt ("Wat soll dat denn?")  ;D     

Ring frei!  ;)

VLG Fritz

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sequotax

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #34 am: 19-November-2009, 09:56 »

Gruß in die Runde !

Ich verstehe den Clemens !
Und finde seine Argumentaion auch völlig korrekt !

Den wirklich einzigen Unterschied zu meinem Standpunkt sehe ich darin, dass er seine Zukunftsbäume direkt pflanzen will, wohingegen ich auf Masse setzen und der Natur die Entscheidung überlassen will...

Ich denke, dass GERADE WEIL der MB hier (noch) nicht optimal angepasst ist, eine Selektion UNBEDINGT notwendig ist !!!
Die Vorauslese im Sämlingsalter kann da ganz schön trügerisch sein - Hallimasch, extremer Frost, Trockenheit, Schnellwüchsigkeit, Schattentoleranz...
Vielleicht bildet eine genetische Variation mal eine echt fette Pfahlwurzel... ;D

Jetzt kommt noch ein menschlicher Aspekt:  Meine Kurzlebigkeit !
Obwohl ich besser als jeder andere hier an Tabletten herankomme ( ;D :P ;D ) schätze ich meine Lebenserwartung mal auf 80 Jahre (Ärzte leben übrigens kürzer als die Normalbevölkerung :-X).
In dieser Zeit will ich noch was erleben, will beobachten, welcher der tausend sich am besten entwickelt, ob es Variationen gibt und und und...

Auslichten wird wohl notwendig sein, aber wann ?
Mit 3 bis 4 m Abstand wissen die Kerle lange Zeit nichts voneinander (haben ja keine Augen ;D) !
Sollte es wirklich dann eng werden, gibt der ein oder andere sicher von alleine auf - das Feld wird dann wieder freier. Ich glaube nicht an die plötzliche Apokalypse, in welcher meine tausend alle gleichzeitig umfallen (Ausnahme: Meteoriteneinschag). Nein, selbst wenn ich gar nichts unternehme, werden vielleicht mal zehn eng beieinander stehende mickern, dann acht eingehen (die schwächsten), die überlebenden zwei dann sofort wieder kräftiger, später wieder konkurrieren...
Das regelt sich von selbst.
Ein in euren Augen mitleiderregender, da abgekämpfter BM hat danach ja ein paar tausend Jahre Zeit, um sich von dieser Prozedur zu erholen...
Wenn die Bäume in der Sierra ihr Leben lang keine Konkurrenz gehabt hätten, wären sie dann wirklich bis in solche Höhen astfrei ?
That's life ! :)

Tausend Bäume sind einfach besser als fünfzig !
Die Chance auf angepasstere Exemplare 20fach besser (Z.n. Mathe-LK ;D) !

Was macht ihr mit den ganzen Sämlingen ?
(ICH züchte so viele, weil ich eng pflanzen will und pflanze nicht eng, weil ich so viele gezüchtet habe ! ;))

Wollt ihr den ein oder andern stattlich aussehenden Mammutbaum in Stadt, Wald und Flur oder wollt ihr heimische Mammutbäume in Deutschland ? ? ?

Schon wieder der Remi
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derTim

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #35 am: 19-November-2009, 10:38 »

Wollt ihr den ein oder andern stattlich aussehenden Mammutbaum in Stadt, Wald und Flur oder wollt ihr heimische Mammutbäume in Deutschland ? ? ?
Hi Remi, genau in der Reihenfolge  ;D

Also ich sehe das auch so, lieber etwas mehr pflanzen und wenn es später doch mal zu eng werden sollte
kann mann immer noch Platz schafen.
Mann kann dann immer noch versuchen die Bäume auszugraben, und zu verschenken/kaufen oder so.

M.f.G. Tim
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Joachim Maier

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #36 am: 19-November-2009, 11:47 »

Mann kann dann immer noch versuchen die Bäume auszugraben, und zu verschenken/kaufen oder so.

Diese Variante gefällt mir auch gut. Vielleicht in den Park bei Ansbach?
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derTim

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #37 am: 19-November-2009, 12:45 »

Oder man verschenkt sie an die Autobahnmeisterei :) oder einen Friedhof oder
eine Schule ;) http://mbreg.de/forum/index.php?topic=3040.msg45706#msg45706
oder Oder oder
    Tim  ::) ;D

 
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Waldläufer

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #38 am: 19-November-2009, 21:20 »

Hallo,
dann falls kein Privatpatient schon jetzt einen Termin beim Orthopäden festmachen. Ich glaube die verschiedenen Standpunkte haben einen relativ banalen
Hintergrund. Meine Wenigkeit u. als Hauptschreiber Xenomorph zu nennen argumentieren relativ theoretisch als ob wir den Staatswald als Fläche zur
Verfügung hätten u. die Freunde des engeren Reinbestandes wollen die größenmäßige Beschränktheit ihrer eventuell vorhandener Flächen vor Augen dies doch
etwas komprimiert durchführen um ihre Lieblingspflanzen den ihnen zustehenden Platz zu gewähren. Soweit haben jetzt doch wieder alle aus ihrer Sicht recht.
Da die Disskussion aber doch theoretisch angelegt war bleibe ich bei meinerm Standpunkt daß ein idalerweise höhengestufter Mammutbaummmischwald sofern er unter hiesigen Bedingungen überhaupt umsetzbar ist in jeder Hinsicht vorrteilhafter ist.
Aber ich verstehe auch daß der Mammutbaumfreund einen kleinen Reinbestand sein eigen nennen will.

                                    Gruß          Bernt
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lk1992

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #39 am: 19-November-2009, 21:43 »

Zitat
die Freunde des engeren Reinbestandes wollen die größenmäßige Beschränktheit ihrer eventuell vorhandener Flächen vor Augen dies doch etwas komprimiert durchführen

Treffender hätte ich das nicht formulieren können!
Es ist vollkommen korrekt, dass man möglichst viele Bäume auf seinem Grundstück unterbringen will. Dies habe ich auch bei mir festgestellt....
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Mick Rodella

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #40 am: 19-November-2009, 23:28 »

Hallo Pflanzer!

lebendiger, toller Thread.  :)

Ich habe leider weder Geld noch Zeit, ein Wäldchen zu begründen und gratuliere allen hier, denen sich eine solche Möglichkeit bietet. Es ist wirklich beeindruckend, was hier schon gemacht worden ist und durch den Austausch im Forum noch passieren wird. Auf eigenem Grund und Boden zu experimentieren ist ein tolle Sache und Tipps sind ja gottseidank keine Vorschriften.

Zu meinen Beobachtungen: So eindrucksvoll größere BM-Pflanzungen auf den ersten Blick sind – die Bäume haben ja immerhin zu etwa 90 % überlebt – ich habe kaum ein zufriedenstellendes Zwischenergebnis notieren können. Weil nicht rechtzeitig ausgelichtet wird, egal ob Reinbestand oder Vergesellschaftung. Von selbst reguliert sich da bisher gar nix – ganz im Gegenteil. Vorherrschende Pflanzabstände bei ca. 40jährigen Beständen: ca. 4-5 Meter, manchmal noch weniger. Die Kronen sind logischerweise winzig und entsprechend anfällig. Stammzahl höchstens um 10–20% reduziert. Sieht fast so aus, als würde man nur die Todgeweihten entfernen. Wahrscheinlich hätte man bereits nach 20 Jahren die Anzahl halbieren müssen. Man hat den Eindruck, die Bäume kümmern nicht nur aufgrund von Lichtmangel, sondern sie graben sich gegenseitig das Wasser ab. Da scheint es unwahrscheinlich, dass Einzelexemplare wirklich Chancen haben, ihr Potenzial zu zeigen. Kränkelnde BM fallen ja nicht um, sondern stehen den gesünderen dauerhaft im Weg. Ich möchte mir nicht anmaßen zu behaupten, dass sich nicht doch am Ende einige Exemplare nachhaltig durchsetzen können – es wäre mir bloß zu riskant, darauf zu setzen.

In der größten Mammutbaum-Parzelle im Forstbotanischen Garten Köln scheint man die zu eng gesetzten BM fast schon aufgegeben zu haben – trotz (zu später?) Auslichtung wird eifrigst Sequoia dazwischengesetzt. So sehr ich den KM mag – die Bergmammuts werden in absehbarer Zeit den kürzeren ziehen, von den äußeren Exemplaren mal abgesehen.

Die Frage ist natürlich, welche Intention hinter diesen Pflanzungen stand. Wahrscheinlich ging es nach Kaldenkirchener Vorbild um einen Test für die forstwirtschaftliche Eignung = kurzfristigen Erfolg bei relativ geringem Aufwand, nicht um eine umfassende Nachbildung des Originalstandortes oder gar eine Integration in "heimische" Bestände.

Es gibt natürlich auch Beispiele, die einem den Atem verschlagen, und man würde sich wünschen, an der einen oder anderen überschaubaren (Wald!-)Wilhelma-Gruppe wären damals schon weitflächig und großzügig BM gepflanzt worden.

Perfekte Wald-BM stehen in z. B. in Auenwald. Liegt allerdings auch am tollen Boden und guter Exposition. Wir werden es noch erleben, dass die Bäume 60 m erreichen. Vermutlich wuchsen sie anfangs relativ unbedrängt am Hang, Abstand vielleicht 15-20 m. Natürlich genial weitsichtig, viel breiter werden die Kronen ja auch in 1000 Jahren nicht. Heute tolle Wipfel, die 20 m hoch frei über dem jüngeren Wald stehen. Wenn man die Bäume sieht, versteht man sofort, wie ein passender BM-Wald oder Wald-BM nach 100 oder 150 Jahren mit Perspektive auf weitere Jahrhunderte aussehen muss. Die BM kümmert überhaupt nicht, was sich unter ihnen drängt. Leider stehen dort nur 6 alte Bäume. Es hätten großzügig verteilt (ca. 5 ha) auch 100 sein können. Dabei stellt sich vielleicht die Frage, wann diese optimal gesetzten Waldbäume denn mal Durchmesser von sagen wir mal 4 m erreichen werden. Das könnte dort noch 200 Jahre dauern, aber diese Burschen könnten es schaffen.

Ich schäme mich nicht, trotz sachlicher Beurteilung betr. der Eignung als Forstbaum den König der Bäume auch aus romantischer Perspektive zu sehen und bin stolz darauf, in einem Land zu leben, wo es so viele tolle Exemplare zu bewundern gibt. Auch im Wald.

Das funktionierende Ökosystem Wald ist natürlich genauso faszinierend und noch erstrebenswerter, da gibt es aber weit mehr zu reparieren als das eine oder andere etwas misslungene BM-Konglomerat. 

Warum sollten es nicht einige von uns schaffen, den Grundstein für ein ansehnliches und funktionierendes BM-Mischwäldchen plus passendes Beiwerk (gerade auch durch den erhellenden Erfahrungs- und Meinungsaustausch) auf die Beine zu stellen? Meine Meinung allerdings: wer eng pflanzt, wird weitaus mehr BM beseitigen müssen, als nach vielleicht 30 Jahren übrig bleiben. Wer das auch im höheren Alter noch bewerkstelligen kann, darf sich glücklich schätzen. Vielleicht wäre es leichter, sich als "junger Mann" in der Anfangsphase um die nötige Freistellung bei größeren Abständen zu kümmern. Aber ich hab ja gut reden aus dem Hintergrund...  ;)

Thema Begleitbaum: vielleicht könnte sich ein Experiment mit Metasequoia als Begleitgehölz lohnen. Recht schlank und luftig im Bestand, von November bis Mai eh keine Konkurrenz (bekommt der BM noch zusätzlich 5-10 Jahre Vorsprung, fällt mir kaum eine besser geeignete Konifere ein).

Schön, dass man hier bei der erneuten Pionierarbeit live dabeisein darf.  :) 

LG Micha
« Letzte Änderung: 21-November-2009, 00:20 von Mick Rodella »
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Xenomorph

  • Gast
Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #41 am: 20-November-2009, 00:30 »

Hallo BM-Freunde,

um das mal klarzustellen, ich verstehe jeden der aus purer Leidenschaft lieber mehr als wenig pflanzt. Der Boden sieht ja am Anfang so schrecklich kahl aus, man möchte am liebsten jeden Quadratmeter mit seinen Lieblingen beglücken...  ;)

Ich nehme mich da nicht aus und kann mir gut vorstellen, dass ich mich auch erst dazu zwingen müßte, meine eigenen theoretischen Vorgaben einzuhalten, wenn ich selber ein Waldstück hätte. Aber letzlich würde ich es tun. Denn wenn man ein echter Freund der Mammuts ist kann man doch nicht allein vom eigenen kurzfristigen "Genuß" ausgehen sondern muss das Ganze vom "Standpunkt" der Bäume aus sehen. Der ist nun mal kein menschlicher, besonders was die Zeitdimension betrifft, da hat Fritz recht. Und letztlich ist das doch auch im eigenen Sinn- man möchte doch etwas Bleibendes hinterlassen, gerade mit einem BM.

Deswegen lieber weniger BM, die dann aber (fast) alle zu dem werden was sie werden können und "wollen" als hunderte von schütteren, kümmerlichen Patienten. Das ist vielleicht keine "plötzliche Apokalypse" aber ein schleichendes Dahinsiechen und Sterben.

Wohin mit den überzähligen Sämlingen? Ich glaube da findet sich immer ein Abnehmer! Wie wäre es mit dem Projekt im Schloßpark Dennenlohe? Das ist vielleicht dann kein "normaler" Wald aber etwas Dauerhaftes, Beeindruckendes und sicher eine tolle Samenplantage für die Zukunft!! 15 Hektar so wie ich das verstanden habe!! Remi, da kannst du dich züchterisch austoben!!  :D Und vielleicht wird es doch irgendwann mal einen Vereins-Grove geben? Außerdem kann man bei örtlichen Forstverwaltungen nachfragen, ob Interesse besteht. Oder bei Gemeinden... Wenn's was umsonst gibt (und dazu noch so was Großes und Populäres) finden sich immer dankbare Abnehmer!  ;D

Ansonsten kann ich mich nur dem Mick anschließen, ich glaube er hat mehr BM-Bestände im Wald gesehen als die meisten von uns, seine Beobachtungen sind nicht von der Hand zu weisen! Das sollte jeder akzeptieren der ggf. an meinem theoretischen Gelabere Zweifel hegt...  ;) ::)

Den Bestand in Auenwald kenne ich bisher leider nur von den Fotos hier im Forum, aber diesen Wald habe ich immer im Hinterkopf wenn ich mir vorstelle, wie es sein sollte. Er zeigt dass es machbar ist und wie schön und natürlich so ein Bestand aussehen kann!! Natürlich sollte er viel größer sein, und es gäbe tolle Begleitbaumarten die man integrieren könnte und sollte. Aber dieser Wald ist ein guter Anfang und sollte uns als Vorbild dienen!

Urzeitliche Grüße, Clemens
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Zinnauer

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #42 am: 20-November-2009, 01:15 »

@ Clemens:
Jetzt malst du wirklich den Teufel an die Wand. Enger pflanzen kann wohl nicht automatisch bedeuten, dass die BMs schleichend dahinsiechen und sterben.

Mein Gedankenexperiment hast du nicht kommentiert, obwohl es eigentlich für Weitpflanzer gedacht war.

@ MickRo:
Dieses BM/UM-Experiment habe ich auf kleiner Fläche schon begonnen. Die BMs hatten etwa 5 Jahre Vorsprung. An eher trockenen Stellen blieben die BMs vorne, an feuchten Stellen haben die UMs die BMs inzwischen locker eingeholt.

Fazit: Ich halte die Baumarten UM, Lärche, (Wald-)Kiefer und Tsuga, zT auch Chamäcyparis und Thuja als Mischbaumarten zu BM für ungeeignet bzw. zu risikoreich. Sie sind meist (in der Jugend) zu raschwüchsig. Wirklich geeignet sind zB Tannenarten, ev. Schwarzkiefer, da Sie in der Jugend langsam starten und den BMs genügend Wuchsvorsprung lassen.

LG
Michael
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Fritz

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #43 am: 20-November-2009, 07:42 »

@ Clemens:
Jetzt malst du wirklich den Teufel an die Wand. Enger pflanzen kann wohl nicht automatisch bedeuten, dass die BMs schleichend dahinsiechen und sterben.
LG
Michael


Hallo Michael Z. - was passiert denn sonst mit ihnen? Da keiner freiwillig die Koffer packen wird um umzuziehen, werden sie sich gegenseitig Licht, Wasser und Nährstoffe wegnehmen bis sie aussehen wie die von Mick aufgezählten Beispiele ... oder sterben.

BMs mit Platz = sieht aus wie Wald,
BMs mit Konkurrenz = spargeliger, häßlicher Forst ... mindestens die ersten Jahrhunderte!

Vote for Space!  ;)

LG Fritz



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sequotax

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Re: Pflanzabstände beim BM
« Antwort #44 am: 20-November-2009, 11:09 »

Hallo Forum,

glaubt hier denn niemand an die genetische Varianz bei BMs ?

Auch wenn die Restbestände eher winzig sind, gibt es doch riesige Vielfalt !
Und aus dieser Vielfalt gilt es, die hier geeignetsten Exemplare herauszuselektieren, um 'Zukunftsbäume' zu generieren...
Ihr liebt jeden Baum (ich auch) und wollt nicht Hand anlegen (ich eigentlich auch nicht). Deshalb wollt ihr pflanzen, jeden einzelnen Baum hegen und pflegen bis er aus dem Gröbsten heraus ist !
Bringt das die MBs weiter ?
Sind die Nachkommen deshalb angepasster ?

Pflanze ich hunderttausend Sämlinge in bitteren Frost, überlebt vielleicht einer.
Pflanze ich hunderttausend Sämlinge in den Schatten, überlebt vielleicht einer.
Pflanze ich hunderttausend Sämlinge auf trockenen Boden, überlebt vielleicht einer.
Pflanze ich hunderttausend Sämlinge in Botrytis- u/o. Hallimaschrefugium, überlebt vielleicht einer.
Wisst ihr, was ich meine ?

An Clemens:
Setzte ich meine KMs -20°C aus und alle sterben, dann könnten meine nächsten Versuche z.B. SO aussehen:
- ich nehme nicht 1 g Samen, sondern 100 g
- ich teste nicht -20°C sondern -19°C

Beispiel Lukas:
Warum erntet er nicht 1 Zentner Zapfen, trocknet diese und schüttelt sie dann...
Von diesen Samen könnte einer vielleicht sogar auf der Autobahn keimen ! (Na ja ;D)

Man kann sehr wohl durch Züchtung das Erbgut der Mammutbäume an unsere Verhältnisse anpassen. Noch mehr - will man ihm hier eine echte Chance geben, MUSS man züchten !

Womit ihr alle unbestritten Recht habt:
Ein einzelner Baum, gehegt und gepflegt, gedeiht besser !
Die Hürde für einen Mammutbaumliebhaber, einen dicht gepflanzten Wald zu durchforsten ("...mit klarem Kopf und kaltem Herz..."), ist riesig !
Eingriffe werden auch nach unserer Zeit notwendig sein...

Alle (meine :-[) Kritiker im Forum gehen allerdings scheinbar davon aus, dass ein Wald später nicht mehr gepflegt wird !
Alle habt ihr Angst vor einem hässlichen Forst !
Aber kaum einer sieht die Chance, die von der von mir propagierten Methode ausgeht:
Zukunftsbäume (oder auch nur deren Elterngeneration) !

Ein Zukunftsbaum in meinen Augen ist nicht der Zwerg, der als Tempelbaum 2.000 Jahre alt wird...

Alle anderen Waldbäume werden einer strengen Selektion unterworfen - der BM kämpft somit gegen die jeweils besten...
Das Potenzial, das in ihm steckt, wurde doch noch gar nicht geweckt !
Natürlich kann man 50 Bäume pflanzen und nach tausend Jahren mal nachsehen...
Euer Weg dauert mir gefährlich lange...

Beispiel 'Hazel Smith' - Klonbaum nach Kälteexperiment !

Beim KM Marke 'Oregon' setzen wir doch auch ganz klar auf Masse, da hohe Ausfälle zu erwarten sind...

Wer ist reiner Liebhaber, wer ist Züchter ?

BM-Evolution

"Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters"
Mir gefallen auch Baumgruppen und schlanke, hohe Riesen...

Noch was:
Einzelne BMs in einen bestehenden Wald zu integrieren ist aufgrund der Lichtbedürftigkeit sehr schwierig. Da eignen sich ja fast ausschließlich Kahlflächen. Und hier jetzt auf einen Hektar 50 Bäume drapieren und die dann 5 - 10 Jahre von Konkurrenz befreien...
So kommt der Baum nicht in den Wald !
Waldbauern - und da kenne ich viele - denken da anders !
(Die haben auch keine Hemmungen beim Läutern !)

Nachdenklich,

Remi


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