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Costa, Lenin und Mao

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Tuff:
Ja, unter Schirm ist in unserem Klima ganz sicher die richtige Weise, KM zu pflanzen...

Ein klasse Experiment, Tom ! Klar, ohne Vergleich wird man als Resultat nicht viel mehr ableiten können, als "hat überlebt' oder 'hat nichts genutzt'. Aber man sieht mal, wie dick sich das Eis bildet und kann zB. Fragen aufwerfen wie 'muss man wirklich kontinuierlich sprühen oder genügt eine einmalige, dicke Eisschicht' oder 'wie schwer wird das' oder 'wie schnell taut es wieder ab'...

Es kommt jetzt außerdem auf die Weiterbehandlung an; möglicherweise sind die Zellwände der Triebe nun künstlich von außen 'wassergesättigt' und ein weiteres Einfrieren, diesmal ohne Schutz, wäre fatal ? Es ist ja ein universelles Prinzip, einmal schützen, immer schützen (hier bezogen auf einen Winter); weil eine Pflanze auf jede Art von Schutz in vielfältiger Weise 'reagiert' bzw. notwendige Anpassungen nicht stattfinden. (welche aber in manchen Fällen einfach nicht ausreichen, weswegen man sich eben für einen Schutz entscheidet).

Daher würde ich empfehlen, den weiteren Witterungsverlauf kritisch zu verfrolgen und bei erneutem Frost wieder zu sprühen. Sonst könnte das erwünschte Resultat durch den Eingriff selber ins Gegenteil umschlagen. Quasi ein Heisenberg-Effekt :) *)

Wir sollten auch alle mal versuchen, bei Gelegenheit einen Weinbauern zu finden, der praktische Erfahrung mit dem Verfahren hat, und zu fragen, was man berücksichtigen muss, etwa ob ein Auftauen zwischendurch vorgesehen ist und für maximal wieviele Tage das Verfahren empfohlen wird.

Tom, wir wissen alle was für eine schwere Kindheit dein Costa hat (Umpflanzen, Wühlmäuse ...) und ich habs schon oft gesagt, Dein 'großer' KM braucht eigentlich eine etwas geschütztere Situation mit seitlichem wintergrünem Irgendwas, vielleicht temporäre Koniferen, oder denken wir auch mal kreativ an sowas wie Riesenbambus (den man dann leider in Schach halten muss) ... vielleicht wäre auch ein Bewuchs mit Efeu schon ein wenig hilfreich, trotz der Wasserkonkurrenz, weil er immerhin ein wenig Wärme speichert und den Windchill bremst. **)

Nochmal zum Einsprühen. Die ideale Schutz-Beschichtung ist m.E. immer noch Schnee, weil er feucht hält und zugleich durch seinen Lufteinschluss isoliert. Versuch doch beim nächsten mal deine Düse so fein zu stellen, und nach oben zu richten (langer Weg durch die Luft), so dass sich anteilig auch Schnee bildet, statt Eis, wenn das möglich ist. Ebenfalls ein Experiment. (Ich glaube Schneekanonen verwenden Kristallisationskeime, m.a.W. Wasser welches bestimmte Partikel enthält. Wenn Du eine Pumpe hättest könntest Du das vielleicht ebenfalls versuchen; es können vielleicht auch einfach zB. feine Sägemehl- oder Ton-Partikel sein, oder man kauft was in der Apotheke ?)

Halt uns auf dem Laufenden !

tm


*) Heisenbergs 'Unschärferrelation' wurde mal anschaulich gemacht durch den scheiternden Versuch, mit großen Händen eine Münze aus einem Spalt in den Sofapolstern herauszufingern.

**) Ich habe übrigens einen Efeu der in die Krone einer 10m hohen Koreatanne einwuchs, vor 2 Jahren in Brusthöhe rundherum gründlich durchtrennt, aber der Bewuchs in der Krone grünt fröhlich vor sich hin. Ich gehe derzeit davon aus, dass die langen Stränge entlang des Stammes genügend Feuchte aufnehmen, um einen epiphytischen Wuchs zu ermöglichen. Sowas in einem 30m hohen KM wäre doch irgendwie chic oder ? Wenn es Dein Lokalklima hergibt.
 

Tuff:
http://www.deutschlandfunk.de/weinanbaugebiete-teils-erhebliche-schaeden-durch-frost.2850.de.html?drn:news_id=736631

Tom E:
Hallo Micha,

normal wird glaube ich in Intervallen gesprüht, wie lange allerdings die Pausen sind ist mir nicht bekannt. Die Sache ist nur die, dass ja ständig Wasser gefrieren muss, für die Energiefreisetzung/Heizung, daher ist dieser Wert sehr wahrscheinlich auch von den sonstigen Wetterverhältnissen abhängig. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass sich durch eine Intervallberegnung sogar ein noch größerer Eisbehang bildet, da dieser sonst laufende "warmwasser" Nachschub womöglich für eine gewisse Erwärmung des Eises und sonstigen Wassers sorgt. Aber das ist nur eine Vermutung und müsste getestet werden. Mir fehlt allerdings die Möglichkeit solch ein System mal schnell aus dem Material zusammen zu bauen, was ich hier rund um das Haus finde.
Was die Dauer angeht, dieses System dient nur zur Schadensminimierung bei Spätfrösten, diese dauern gewöhnlich nur einige Stunden an und am Tage ist es schon relativ warm. Es funktioniert nicht ein Bäumchen während einer längeren Frostperiode dadurch zu schützen, auch Schnee fällt von den Zweigen ab und schützt diese in der Regel nicht mehr. Entweder die Pflanze kann es, oder nicht. Bei empfindlichen Pflanzen liegt es an uns, es ihr durch eine gute Standortswahl möglichst günstig zu gestalten. Ich würde sagen, z.B. Remi ist das eindrucksvoll gelungen, man darf auf die langfristige Entwicklung gespannt sein.

Was die Wirkung angeht, hier habe ich bald Gewissheit, denn heute Morgen hatte es wieder -3,2°C ("damals" -3,4) und sollten jetzt zeitnah die kleinen Triebe direkt absterben, dann hatte es wohl etwas gebracht. Probleme durch Wassersättigung sehe ich nicht, denn die Pflanze ist ja immer in der Lage den Zelldruck zu senken, im Falle des Falles, welcher aktuell wieder eingetroffen ist. Zudem haben ja bereits die letzten Tage gezeigt, dass zumindest die 2017er Triebe wohl nicht unter besonders großem Druck stehen, leider oder zum Glück, das wird sich zeigen.  ::)

Ansonsten, wie immer, muss jeder entscheiden wie viel Aufwand es ihm wert ist, auch was Begleitpflanzen etc. angeht. Es ist ja nicht so, als hätte ich 10 Jahre geplant hier einen KM zu pflanzen, es war ja nur aus einer Laune heraus, nicht mehr und nicht weniger. Ich werde jetzt auch nicht anfangen nachträglich Riesenbambus anzupflanzen, das darf gern jemand anders ausprobieren, falls sich jemand finden sollte.  :D Auch Schneekanonen werde ich nicht aufstellen, auch keine Mittelchen versprühen, das ist den Aufwand einfach nicht wert, auch die Beregnung eines einfachen "Zier"-Gehölzes macht an sich absolut keinen Sinn, aber sowas von keinen. Trotzdem, jedem das seine. Ich wollte es nur mal ausprobieren, das habe ich getan und fertig, auch wenn das Projekt womöglich falsch abgeschlossen wurde.  :)

Die nächsten Tage werde ich dann die aktuelle Triebentwicklung zeigen, wobei der spannendere Teil erst kommt.

Gruß
Tom

Tuff:
Naja Tom, das haben wir doch schon mal diskutiert. Ich habe eben diesen Forscherdrang, herauszufinden, welche Methoden wann funktionieren und genau was bringen; damit dann andere, die vielleicht etwas sehr Bedeutsames schützen wollen, darauf aufbauen können. Außerdem resultiert aus Versuchen auch ein Wissen über die öklogosche Bandbreite einer Art, welches dabei helfen kann, einen potentiellen Standort oder die richtige Region zum Anbau zu finden. Und ich meine damit nicht, den Optimalstandort finden, sondern die Grenze des Erträglichenzu verschieben. Wieviel Aufwand man bei einem beliebiges Ziergehölz für angemessen hält, ist für mich also nicht so wichtig.

Daher freut es mich jedenfalls, daß auch Du ein bißchen Experimentierfreude zeigst; und wenn es Dir dann auch mal reicht, klar, warum nicht.

Ich leben leider weit weg von meinen Pflanzungen und kann vieles einfach nicht machen. Experimentieren tu ich aber trotzdem in vielerlei Hinsicht, und habe dabei inzwischen soviel gelernt, daß ich mir zB. zutraue, einen BM von Samen an aufzuziehen und im zweiten Jahr bereits auszupflanzen und mit 90% Überlebens-Wahrscheinlichkeit sicherzustellen, daß dieser Mini auch ohne jede Pflege (also in Abwesenheit eines Menschen, zB. abgelegen im Gebirge) zum Baum wird, allein durch Präparation des Standortes, gewisse Installationen, und Begleitpflanzen. Das ist für mich ein wichtiges Ergebnis, weil man es auch im großen Maßstab anwenden kann, um zB. unter dem Damokles-Schwert des Klimawandels kostengünstig einen neuen Grove zu begründen.

Und wenn Du mich nun zu recht fragst, welchen Standort willst Du denn finden, an dem ein KM bei Frost vereist ... ? Dann könnte ich Dir zB. antworten, nahe eines mächtigen Wasserfalles, irgendwo in Kanada oder in den Anden. Warum nicht ?

Tom E:
Hallo Micha mit dem Forscherdrang,

ich empfehle Dir diesen Artikel, in dem das Prinzip und die Grenzen dieser Behandlung schön zusammengefasst sind. Was den Wasserfall angeht, je nach Position zum Wasserfall und den Windverhältnissen kann sich der Spaß gleich wieder negativ auf die Pflanze auswirken.

Für mich wäre es eigentlich schon genug Forscherdrang, wenn ich wüsste bei welchen Bedingungen in der Austriebsphase bestimmte Schäden entstehen. Allerdings bekommt man diese Situationen nur über Jahre verteilt ganz zufällig, quasi eine Lebensaufgabe.  ;) Ansonsten halt Labor, aber das ist doch irgendwie langweilig und auch "unrealistisch".  ;D

Das mit dem BM im Gebirge kann man ja mal ausprobieren, wenn du Lust dazu hast.  :) Würde mich auch interessieren.

Gruß
Tom

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