Forum ::: Mammutbaum- Community

Mammutbäume (öffentlicher Bereich) => Wissenswertes & News => Thema gestartet von: Lukas Wieser am 07-August-2009, 10:19

Titel: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 07-August-2009, 10:19
30.07.2009 Hallo MB-Freunde!:-) Heute habe ich die Bergmammutbäume im Park beim Bahnhof Thalwil/Kt.ZH EU-ID 735 neu vermessen ->siehe Updates EU-Register!:-) Am Baum vom Bahnhof her gesehen rechts konnte ich nun die dickste BM-Rinde Europas messen!:-) *freu* Ein Rindenbalken in 2m-3m Höhe Richtung Norden misst auf der Westseite sage und schreibe 42cm Dicke, auf der Ostseite sogar 50cm Dicke!:-) Schon als ich ein Kind war fiel mir die dicke Rinde an diesem BM auf!:-) Dieser BM hat nicht nur extrem dicke Rinde, sondern auch einen der gewaltigsten Burls von ganz Europa, 5.40m breit und 2.50m hoch!:-) LG Lukas.
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: RO2222 am 07-August-2009, 15:50
Hallo Lukas,


du machst uns wieder mal richtig neugierig  :o

Fotos, von dieser Besonderheit wären toll.

Gruß Werner
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Joachim Maier am 07-August-2009, 16:50
Dem ist nichts hinzuzufügen!  ;)
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Sir Cachelot am 07-August-2009, 18:45
einer von denen (http://static2.panoramio.com/photos/original/16411050.jpg) wird es sein.

in der gegend. (http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=+Thalwil&sll=47.269678,8.586502&sspn=0.205938,0.428123&ie=UTF8&ll=47.296851,8.566434&spn=0.003216,0.006689&t=h&z=18)
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Gerald am 07-August-2009, 22:15
Wirklich beachtlich, zu beachten ist noch, dass ein paar Jahre Borke noch unter dem Borkenstreifen liegt.
Im Arboretum Bad Grund fiel mir ein Baum auf, dessen Borke tief eingekerbt war im Querschnitt quasi wie ein Stern.
Ich nehme an dass bei diesem Baum die Borke eher zerreißt wenn der Baum an Dicke zunimmt. Mit dem Umstand, dass Dicke zusammenhängende Borkenstreifen fester sind, kommt es dass im Laufe der Jahre die Borke immer wieder an der gleichen Stelle einreißt. Die Balken sind dann stärker da diese nicht wie bei anderen Bäumen mehr oder weniger in gestreckt werden also im Umfang dünner werden.
Die Gesamtdicke der Borke bei einer gleichmäßigen Dicke ist deshalb etwas geringer.
Dagegen könnte die Feuerfestigkeit des Stammes aber erhöht sein, da bei einem tief rissigen Baum die Schutzschicht in den Rissen geringer ist.

Übrigens, Mitte Mai war ich gespannt auf die Frostschäden bei den Sequoias im Arboretum Bad Grund, ich war verblüfft, dass ich nicht die Spur von Frostschäden fand. Die Zuwachsraten aber sind sehr bescheiden, die größten Küstenmammuts von etwa 10 m sind von 1985 (Schild hing bei einem noch dran).

Weiß einer ob es im letzten Winter eine Inversionswetterlage gab? Im tiefer gelegenen Braunschweig hatten wir -19 Grad und 70 % der Nadeln meines 4-Jährigen waren im Frühjahr braun.

Gruss Gerald
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Xenomorph am 07-August-2009, 22:44
Hallo zusammen,

beim BM gibt es mind. 4 verschiedene Ausprägungen der Rindenstruktur, wobei das wohl auch mit der Herkunft zusammenhängt. Es gibt parallel gestreifte Borke, sich rautenförmig kreuzende Borkenstreifen, selten die spiralig gedrehten Borkenstreifen (bei Drehwuchs --> Mountain Home) und manchmal auch eine sehr dünne und wenig strukturierte Borke (z.B. im Grant Grove anzutreffen).

Urzeitliche Grüße, Clemens
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: liluz am 07-August-2009, 23:26
Hallo Clemens,
sehr interessant diese Unterscheidungen! Kannst Du evt. ein paar Fotos dieser verschiedenen Ausprägungen anhängen?
lg - Lutz
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Zinnauer am 07-August-2009, 23:58
@ Clemens

Das würde mich auch interessieren! Ich hab ja schon viele BMs gesehen und natürlich kenne ich die unterschiedlichen Rindenstrukturen, aber dass man die 4 Grundtypen zuordnen kann, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

Interessant wäre natürlich auch, welche Ausprägung den besten Feuerschutz bietet.

LG
Michael
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: RO2222 am 08-August-2009, 12:03
.... hier hab ich mal zwei Fotos von BM-Stamm-Scheiben (der BM war ca. 35 Jahre alt) und ein Detail-Foto der Rinde:

die unterschiedliche Dicke kann man gut erkennen
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Mick Rodella am 08-August-2009, 19:26
Hi Lukas,

das ist enorm! Wie dick würdest Du die Borke im Durchschnitt einschätzen?

Hallo Clemens,

interessante Beobachtung! Alle Formen kommen auch hier vor, wenn auch manchmal nur in Teilbereichen der Rinde (die Überkreuz-Variante löst sich meistens nach oben hin etwas auf).

Gilt übrigens genauso für Sequoia. Drehwuchs scheint bei beiden Arten hierzulande recht selten vorzuliegen.

Besten Gruß,
Micha
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Xenomorph am 09-August-2009, 17:38
Hallo an Lutz und alle anderen!

Meine Informationen habe ich der "Sequoiadendron-Bibel" von Hatesveldt et alt. mit dem Titel "The Giant Sequoia of the Sierra Nevada" entnommen. Dort sind auch Fotos zu sehen, die aber leider nur schwarz/weiss sind.

Sichere Rückschlüsse darauf, aus welcher Herkunft ein individueller Baum stammt, kann man aus der Struktur seiner Rinde aber nicht ziehen. Wenn überhaupt könnte man vielleicht eine Wahrscheinlichkeitsaussage machen. Eine Ausnahme dürfte die Spiralform der Rinde darstellen, da der Drehwuchs meines Wissens nur im Mountain Home Grove auftritt.

Wegen der Feuerfestigkeit: Welche Struktur da am widerstandsfähigsten ist weiss ich auch nicht, aber am wenigsten widerstandsfähig ist die glatte, unstrukturierte Rindenform, weil sie ausserdem relativ dünn ist. Theoretisch wäre vermutlich eine glatte aber möglichst dicke Rinde am feuerfestesten, weil Kanten immer leichter anbrennen als ebene Flächen. So eine Struktur gibt es aber wohl leider nicht.

Urzeitliche Grüße, Clemens
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: liluz am 09-August-2009, 19:27
Danke für die Aufklärung Clemens. (Inzw. hatte mich Lukas via SMS schon auf die Lit.-Stelle aufmerksam gemacht  ;)) Die von Hatesveldt et al veröffentlichten Fotos unterliegen sicher auch einem Copyright, so dass wir auf persönliche und insbesondere sicher auch "native" Fotonachweise hoffen müssen.
lg - Lutz
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 10-August-2009, 12:19
Hallo Gerald!:-) Willkommen im Forum!;-) Ähm nö, je dicker die Rinde, umso besser der Schutz vor Feuer!:-) Auch wenn die schnellwachsenden Kambiumrisse verkohlen... Nun, minus 19 Grad ist für einen 4 jährigen KM einfach zu viel, punkt!:-( Die 10m hohen KM sind viel tiefer verwurzelt und sind generell resistenter!:-) KM bis 3m Höhe gehören im Winter mit Wintervlies eingepackt... LG Lukas. Ps: apropos Rinde: Anfang Juli haben Idioten am 1906 gepflanzten BM-Giganten im Spitalpark rund um den Stamm grosse Rindenstücke weggerissen-dieses Jahr ist der Baum wohl sogar "geschrumpft"!:-(:-@:-@ Vor dieser Vandalenattacke war der BHU 9.11m...
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 10-August-2009, 12:20
Hallo Werner, hallo Joachim!:-) Würde gern mit Bildern dienen, doch leider werden meine Handyfotos seit Ende April von meinem Telefonanbieter Wolfgang nicht mehr gesendet!:-(:-@ SCHEI.. LG Lukas.
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 10-August-2009, 12:30
Hallo Lutz!:-) Clemens zitiert aus "the Giant Sequoia of the Sierra Nevada" von den Professoren Hartesveldt, Shellhammer, Stecker und Harvey!;-) Müsstest Du als Admin eigentlich kennen.. Die Bilder sind urheberrechtlich geschützt u.dürfen nicht verwendet werden!:-) Mit Ernst lässt sich fast kein BM in Europa ohne wenn und aber eindeutig zuordnen, der Mountain Home-Drehwuchs kommt meines Wissens nirgendwo in Europa vor!:-) LG Lukas
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 10-August-2009, 12:31
Hallo Michael!:-) Ganz einfach: Je dicker desto besser!:-) Etwas ist bekannt: Die BM mit der ungewöhnlich dünnen Rinde (z.B.Mutanten im Grant Grove) haben bei Waldbränden oft gewaltige Stammschäden!:-) General Grant z.B. hat gemäss den Kernbohrungen sehr dicke Rinde!:-) Das Gleiche gilt für General Sherman im Giant Forest Grove!:-) LG Lukas.
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 10-August-2009, 12:50
Hallo Michael!:-) Auf der anderen Stammseite mißt die Rinde bis 35cm!:-) An vielen Stellen 20-30cm, aber eine einheitliche Rindendicke läßt sich nicht feststellen!:-) Bei einem Stammquerschnitt würde die Rinde wohl ein sternförmiges Muster zeigen, da wo sich das Kambium stark (zwischen den Rindenbalken) teilt ist die Rinde dünner!:-) In den USA überlebt das Kambium unter besonders dicken Rindenbalken auch schwere Waldbrände, es entstehen sogenannte "Flying Buttresses", der Stamm brennt neben dem Rindenbalken weg, übrig bleibt eine (manchmal) lebende Stütze, berühmtes Beispiel ist der "Ishi Giant"-Tree im Kennedy Grove!:-) Auch der kleinere BM in Soglio/Schweiz hat mal gebrannt und zeigt so eine Stütze, allerdings berührt diese den Boden nicht mehr ganz!:-) Interessant ist da das Kambium, das kreuz und quer die etliche m2 grosse Wunde zu überwallen versucht!:-) LG Lukas.
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Dypsis am 18-August-2009, 11:15
Hallo,
wo Ihr so schön über die Rinde philosophiert hätte ich da auch noch eine Frage:
Nutzen die BM Ihre Rinde vielleicht auch als Wasserspeicher? Ich habe den Eindruck, dass sich mein BM regelrecht aufbläht, seit ich ihn ordentlich gieße (wobei er auch vorher nicht gerade an Trockenheit zu leiden hatte).
Das kann mich allerdings auch täuschen. Ich habe den Baum erst letztes Jahr mit 4m Höhe gepflanzt, da kann es sein, dass er sich erst jetzt leidlich etabliert hat und so richtig mit dem Wachstum loslegt. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Stammumfang doch zu sehr für eine normales Wachstum zunimmt.


Grüße
Thomas
Titel: Re: Dickste BM-Rinde Europas entdeckt!
Beitrag von: Lukas Wieser am 28-August-2009, 22:10
Hallo Thomas!:-) Nein, das mit der Rinde funktioniert nicht!:-) Das Wasser wird im Kambium+Splintholz gespeichert und nach oben geleitet!:-) (Splintholz ist das helle/weissliche Holz um den rotbraunen Kern) Was Du bei Deinem BM beobachtest ist die Zellteilung im Kambium die die Rinde aufplatzen lässt und den Stamm "aufbläht"!:-) Für diesen Prozess braucht ein BM grosse Mengen an Wasser!:-) Tip: Miss immer Anfang Dezember den Stammumfang 1m über Boden und über Boden, und notier die Messdaten!:-) Du wirst sehen, das ist sehr interessant und beeindruckend!:-) Z.B.Bernhard und ich haben das bei unseren grössten BM auch gemacht!:-) LG Lukas.