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Autor Thema: Baumprojekt in Östringen  (Gelesen 34253 mal)

Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #15 am: 27-November-2014, 12:24 »

Hallo Frank,
also, dass die Begleitbäume nicht alt werden dürfen/sollen/können, habe ich mir schon fast gedacht.
Da ich jedoch eine leichte Baumfällphobie habe, könnte ich eventuell Probleme mit dem Entfernen der Pflanzen bekommen.
Ich habe zwar schon den ein oder anderen Baum gefällt, aber ich weiß nicht, ob ich das mit meinen eigenen Pflanzen könnte.
Im Notfall müsste das mein Vater machen, der hätte da wahrscheinlich keine Probleme damit.
So wie ich das sehe, komme ich jedoch nicht drum herum, Bäume pflanzen zu müssen, die dann wieder gefällt werden, aber lieber so,
bevor die BM eingeengt werden. Das die Fläche am Ende nur 5-8 Bäume beherbergen kann finde ich jetzt nicht so schrecklich, dass
zeigt mir nur, dass ich mir in Zukunft einfach größere Grundstücke suchen sollte.
Ich denke jetzt, dass ich in Richtung Thuja und UM gehen werde, was die Begleitgehölze betrifft, denn Thujen habe ich sowieso noch
zu Hauf bei mir zu Hause. Wenn jemand noch einen Vorschlag hätte, zum Thema Begleitbaum, der kann mir gerne noch andere Baumarten
vorschlagen, ich nehme jeden Vorschlag dankend an.

Gruß
Richard
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Tom E

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #16 am: 27-November-2014, 18:43 »

Hallo Richard,
was am zukünftig noch auf der Fläche steht... das liegt leider schon lange nicht mehr in deinen Händen.
Ich habe mal verschiedene Pflänzlein auf so einer Fläche eingezeichnet. Auch verschiedene Ahornsorten würden sich natürlich anbieten, evtl auch amerikanische Arten.

Zu viele Zypressen/Thuja würde ich persönlich vermeiden, diese Kollegen machen verdammt dunkel und das ist m.M.n. nicht zwingend schön. Eine Untermischung von
Laubbäumen bietet vielleicht so manchem Frühjahrsblümchen seine Chance. Wie man sehen kann, gefallen mir Obstbäume am Waldrand, hier sind vielleicht auch
Birken, Weiden oder Hainbuchen als Begleitung denkbar.
Statt heimischer Eichen gingen natürlich auch Roteichen, oder beides. Auch Tulpenbäume könnte man untermischen. Die Liste der Möglichkeiten wäre lang. Am Ende wird
es eine Frage deines Geschmacks sein.

Ob einer Mittelmeer-Zypresse der Standort taugt kann ich dir leider nicht sagen, wenn würde ich sie aber an den südlichen Rand befördern.

Gruß
Tom
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Gartenwetter: Awekas von den Bäumchen und der Heidi.

Tuff

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #17 am: 28-November-2014, 16:54 »

Hallo Richard,

Ich finde Dein Projekt sehr interessant. Ich habe ein sehr Ahnliches (ähnliche Zielsetzungen, ähnliche Größe) welches ich vor 14 Jahren begann.

Ich muß grad weg, schreibe aber später noch etwas zu deinen Fragen und meinen Erfahrungen. Nur soviel:

Zum Zwecke des Naturschutzes einen Wald mit 'Exoten' zu begründen, ist in Deutschland total unpopulär. Hier gbt es eine feste Vorstellung davon, daß nur die einheimischen Baumarten gehen. Eigentlich müsste man sagen: Die traditionellen. Denn einerseits werden Douglasie und Roteiche auch akzeptiert, andererseits wurden Ess- und Rosskastanien von den Römern hier angesiedelt und der Ilex ist auch irgendwann erst eingewandert.

Das Problem ist nicht deine Vorstellung, sindern einfach das Wort 'Naturschutz'. Es führt schnell zu erregten Grundsatzdiskussionen.

Wenn Du stattdessen von einem Arboretum oder einem Lehrwald (und immer von einem artenreichen Ökosystem) sprichtst, gibt es deutlich weniger Probleme.

Nehmen wir mal an, Dein Wald soll trotz 'Fremdländer' naturnah sein (mit einheimischen Baumarten angereichert, und mit natürlich vielfältigen Strukturen) und standortgerecht (Baumarten die sich dort gut machen und nicht im Sturm wieder umfallen). Diese Begriffe treffen nicht nur auf einheimische Pflanzen zu. Damit kannst Du Deine Idee verständlicher machen.

Je nachdem mit wem man spricht, muß man sehr vorsichtig sein welche Worte man wählt.

Mich würde interessieren, welche 'Steine' dir denn in den Weg gelegt werden ? Wenn es um die Akzeptanz geht, würde ich Dich gerne unterstützen.

-- Michael (aber weil es so viele gibt, kannst Du mich hier auch Tuff nennen)
« Letzte Änderung: 29-November-2014, 03:47 von Tuff »
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Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #18 am: 28-November-2014, 18:21 »

Hallo Tom,
danke für die Grafik, die ist wieder sehr informativ für mich.
Die von Dir vorgeschlagenen Baumarten finde ich gar nicht mal so übel.  ;)
Ich bin bei Eichen usw. nur immer etwas skeptisch, weil die so langsam wachsen. Ich habe z.B. einige Rot- und Stieleichen und mir ist ganz stark
aufgefallen, dass Roteichen im Schnitt 50% schneller wachsen. Allerdings weiß ich nicht, ob die dann von den anderen Bäumen am Ende doch sichtlich
"überholt" werden!? Und Buchen hätte ich auch noch im Angebot bei mir, aber die wachsen einfach zu langsam, das geht gar nicht. Bei Kiefern kenn ich
mich nicht so gut aus, aber die haben wahrscheinlich wieder eine große Schattenfläche die sie im Alter dann produzieren. Übrigens ist mir das jetzt auch
aufgefallen, als Du es erwähntest, dass die Zypressen usw. ziemlich abdunkeln. Muss ich mir überlegen.
Obstbäume kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht leiden, die waren mir schon immer unsympathisch, ich denke, dass ich diese Art von Bäumen eher bei Seite lasse.
Danke für die Tipps.

Gruß
Richard
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Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #19 am: 28-November-2014, 18:57 »

Hallo Michael,
auch Dir vielen Dank für die Infos.
Ich bin mir dessen bewusst, dass ich mir ein paar "Feinde" schaffen kann, wenn ich den Aspekt mit der Umwelt in diesem Projekt so stark vertrete.
Meine Aussage dazu ist so (für Leute, die damit nichts am Hut haben, aber trotzdem eine schlechte Meinung davon haben):
Da die Mammutbäume heute leider vom Aussterben bedroht sind, will ich einen Beitrag dazu leisten, diese Art zu erhalten. Ich weiß, dass der BM bei uns
ein Exot ist und er heute nur noch in Kalifornien wild wächst, allerdings habe ich leider nicht die Möglichkeit diese Art von Bäumen in den USA auszupflanzen.
Es gibt sogar Quellen, die besagen, dass der Mammutbaum vor der letzten Eiszeit auf vielen Kontinenten der Erde vertreten war, doch dann, durch die Kälte
zurückgedrängt wurde. Somit ist der Mammutbaum nicht so sehr fremd, in Europa, wie man vielleicht im ersten Augenblick denkt.
Den Begriff Naturschutz habe ich einfach nur deswegen verwendet, weil ich Bäume, egal welcher Art, pflanzen will, um einen Beitrag zur Klimaerwärmung zu leisten.
Wenn man das Klima verbessern möchte, ist es im ersten Moment, soweit ich weiß, egal, welche Baumart gepflanzt wird. Mir ist auch bewusst, dass ich die einheimischen
Bäume nicht ganz außen vor lassen kann und deshalb bin ich momentan auch am überlegen, ob ich eventuell auch ein zweites Projekt zu einheimischen Gehölzen starte,
damit ich auch für unsere Baumarten etwas gutes tue. Zeittechnisch würde das sogar ganz gut klappen, denn ob ich jetzt 100 oder 200 Bäume pflegen muss, ist mir
eigentlich gleich. Das ist jetzt aber erst mal noch eine Idee und die Mammutbäume sollen zunächst mal bevorzugt werden.
Ich verstehe aber sehr gut, was Du damit meintest und dass ich etwas aufpassen muss.
Welche Steine mir bis jetzt im Weg gelegen sind und immer noch liegen?
Also erstens musste ich mir mal die Sorgen, bezüglich der Grundstücke vertreiben und das ist als 16-Jähriger gar nicht mal so einfach.
Als das erledigt war musste ich mir hunderte Formulare von den Ämtern holen und von A nach B rennen, um mir den ganzen Spaß erst einmal genehmigen zu lassen.
Solche kleine und große Probleme hatte ich jetzt zu schon regeln und musste mich eben durchschlagen. Noch war kein wirklich großer Stein dabei und ich hoffe, dass
das auch so bleibt.
Bis jetzt habe ich von meinen Mitmenschen eigentlich immer Akzeptanz erhalten aber wurde natürlich sehr belächelt. Noch habe ich keine "Gegner", aber mal sehen, wie lange
das so bleibt, wenn die ersten Pflanzen an Ort und Stelle sind.

Gruß
Richard
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Tuff

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #20 am: 29-November-2014, 03:11 »

Hallo Richard, hallo Tom,

Der Pflanzplan von Tom ist als eine erste Veranschaulichung ein guter Anstoß, vor allem auch was mögliche Arten, und den Platzbedarf und die Pflanzenzahlen angeht (Danke Tom!).

Ich habe noch einige Anregungen, was die 'Designprinzipien' und das Potential einer Neubegründung angeht. Es handelt sich zum Teil um erste Resultate (nach ca. 15 Jahren) aus meinen eigenen Pflanzungen. Inwiefern sie übertragbar sind auf deine Fläche, Richard, kannst natürlich nur Du beurteilen.


Asymmetrie

Im allgemeinen empfinden Menschen eine künstlerische Asymmetrie als schöner als völlige Gleichmäßigkeit. das trifft sich mit der Idee, auf einer Fläche Bereiche mit verschiedenem Charakter zu gestalten, um den Biotopwert zu erhöhen. Gradienten ist das Stichwort. Ich werde im Folgenden für diese Gradienten poetische aber griffige Namen verwenden :)


Schluchtwald

Etwa ein dunkler Bereich mit Schattbaumarten, klassischerweise im Norden und am Hangfuß. Hier würden Küstemmammutbaum (der ja auch sehr hoch wird und dann sowieso ans Licht gelangt) und die ebenfalls hochwüchsge Thuja gut passen, die schattentolerante Eibe im Unterstand. Man kann dort später auch Farne und Moose ansiedeln.

Der Küstenmammutbaum wirkt am Schönsten als Gruppe, die den dann astfreien, säulenartigen Stamm betont. Also nicht tief beastet. Bei der Thuja ist es gerade andersrum.  Aber auch Thujas können gut als Gruppe wachsen.


Lichter Gebirgswald (etwa nahe der Baumgrenze)

Das wäre ein besonders sonniger Bereich, vermutlich eher südlich und hangaufwärts, wo es im Sommer am ehesten etwas trockener wird. Es wäre schön wenn es hier auch deutlich steiniger wäre. Hier passen von den Toleranzen her gut Lärche und Esskastanie, auch Kiefern. Die Traubeneiche wäre auch passend. Anscheinend ist aber auch die Eibe relativ trockenheitstolerant (etwa auf Kalkhängen am Bodensee) und würde hier am Oberhang zur winterlichen Begrünung beitragen.

Mit 'trocken' meine ich nicht, daß es dort wirklich trocken ist, sondern daß man diesen Bereich zu einem 'eher trockenen' Charakter entwickeln kann; analog ist der Unterhang oder der schattige Norden nicht unbedingt sehr viel feuchter, lässt sich aber naheliegend als 'Schluchtwaldcharakter' entwickeln. Eventuell triffst Du aber vor Ort eine ganz andere Aufteilung oder findest ganz andere Charakter-Typen.

Da die Bereich ineinander übergehen, würde ich eher von Gradienten sprechen, das hilft bei der Vorstellung - scharfen Grenzen wären unnatürlich.


Geschützter Kernbereich .... Feenwald

Dazwischen der zentrale Bereich, windgeschützt, mit interessantem Lichtwechsel während des Tages. (Es muß also noch Licht einfallen!) Hier könnte man einfach eine asymmetrische Graslichtung anlegen, von denen aus man einen schönen Anblick hat (mansieht ja später im Altholz sonst die Kronen nicht mehr). Darin und mehr zu den Rändern hin optisch besonders ansprechende blühende Arten wie Liriodendron (welcher erdgeschichtlich ein alter Freund des Bergmammutbaumes ist ist und optisch gut zu ihm passt).

In der Mitte ein zentraler Ginkgo ? Der wird in 1000 Jahren ein sehr dicker Riese sein, schau Dir mal Bilder aus Fukaura / Japan an.

Lichte Bäume passen generell gut in diesen Bereich. Wie etwa der UM. Diese Art wirkt besonders schön wenn sie die Äse tief geschwungen ausbreiten kann. Weil der UM eigentlich ins deutlich Feuchte gehört, kommt der 'trockene Oberhang' aufgrund seines Charakters eher nicht in Frage (die Arten würden nicht zusammenpassen), leider aber auch nicht der für den UM zu schattige und zu konkurrenzstarke Redwood-Thuja-'Schluchtwald'

Der Ginkgo würde auch in den 'Feenwald' gehören, obwohl er eigentlich eine Art der Gebirgs-Aue (also des Schluchtwaldes) wäre; aber er hat unter Küstenmammutbäumen keine Chance. Sein hellgelb leuchtendes Herbstlaub lohnt sich total, er wäre als zentraler Baum überzeugend.


Lichtschächte

Wenn die Fläche groß genug ist, lohnt sich die Planung von 'Lichtschächten'. Das sind unregelmässige Streifen mit SW-Ausrichtung, in denen sehr lockere lichte Bäume wachsen oder niedrige Arten, so daß Licht bis in die Tiefe des Bestandes fallen kann. Im Sommer ist das Licht des des frühen Abends meines Erachtens das Schönste (evtl. nach dem frühen Morgenlicht, für daß man aber doch meistens keine Zeit hat) Da die hochstehende Mittagssonne eher senkrecht einfällt, braucht sie keine horizontalen Schächte.

Die Bergmammutbäume würde ich dann planerisch (Markierungspfähle stecken?) erstmal über die ganze Fläche verteilen, sie dann aber dort wieder aussparen wo es nicht so gut passt.

Das wäre zum einen die Küstenmammut-Thuja-Gruppe, welche eine enorme Wurzel- und Lichtkonkurrenz darstellt. Bergmammutbäume sind extrem lichthungrig, und weichen dem kleinsten Anflug von Schatten sofort aus. Sie mit derart konkurrenzstarken Schattbaumarten zusammenzupflanzen, ist ein Kardinalfehler.

Zum anderen muß man die Flächenanteile berücksichtigen, welche seitliches Licht (Abendstunden) abbekommen sollen. Große Mammutbäume machen lange Schatten. Man sollte durch ihre Anordnung sicherstellen, daß wenigstens für ein paar wenige Stunden am Tag die Sonne noch zwischen ihnen hindurchkkommt. Das gilt auch für Küstenmammuts und Thuja, sollten sie nicht im Norden stehen.


Natürliche, scheinbar ungeordnete Abstände

Es bleiben schließlich die Vorzugs-Bereiche für den BM, die rechnerisch (>10m Abstand) aber nur extrem wenig Bäumen Platz bieten würden. In dieser Situation würde ich in der Tat öfters mal 2 oder 3 dicht zusammenpflanzen. (Mit dicht meine ich mindestens 5m, damit sie im Jungwuchs noch schnell vorankommen.) Auch in den Groves in Kalifornien gibt es viele, oft sehr dekorative, Gruppen! Mehr als drei würden sich aber zuviel Konkurrenz machen und dann fallen die Überzähligen in spätestens 40 Jahren als Spargel von selber aus.


Vertikale Struktur

Ferner muß man sich die Baumhöhen vor Augen halten und den Platzbedarf der Kronen. Es gibt noch nicht ausreichend viele Vorbilder dafür, wie hoch Bergmammuts bei uns in Deutschland werden können, in den ersten 100 Jahren aber jedenfalls nicht viel höher als etwa 50m. Auf derselben Fläche werden sie aber schneller wachsen als etwa Eichen oder Maronen, und diese mittel- wie langfristig überragen.

Wenn man nur wenig Platz hat, kann es dann sinnvoll sein, die Mammuts nach und nach aufzuasten und die Laubbaumarten den Kronenbereich unter den Mammutbäumen nutzen zu lassen. Damit greift man der natürlichen Entwicklung nur vor, denn eines Tages werden die unteren Äste sowieso durch Beschattung dürr. Das Ziel wäre ein Waldbild wie in der Sierra, wo die untersten 30 - 50% der Altbäume natürlich astfrei sind.

Dort, wo es sehr licht ist, können unter Mammuts gut Eichen oder Esskastanien stehen. Halbshatten vertragen Liriodendron oder auch die Roßkastanie; diese schafft es aufgrund ihrer großen Schattenblätter, sogar noch an knapp über dem Boden 'schwebenden' herabhängenden Ästen zu blühen, was wunderbar wirken kann (irgendwie tropisch).

Diese Vorschläge berücksichtigen nicht nur die Standortansprüche der Baumarten, sondern auch ihr Zusammenwirken als Gemeinschaft. Man sollte eine so reichhaltige multikulturelle Artengemeinschaft dann aber konsequenterweise als privates Arboretum oder Park bezeichnen, oder ein zukünftiger Lehrwald, um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Sie ist zwar kein Widerspruch zum Naturschutz im globalen Sinne oder im Sinne von 'wertvolles Ökosystem', entspricht aber einfach nicht der traditionellen Vorstellung, in der die 'urheimische Natur' (der letzten 4000 Jahre) vor dem Aussterben geschützt werden soll.


Steine im Weg laden zum Verweilen ein

Daneben gibt es auch eine gewisse gesellschaftlichen Verantwortlichkeit, etwa für den Landschaftsschutz, für die ich empfehle, Kompromisse einzugehen. Wenn es Dir also angemessen scheint, könntest Du zB. anteilig etwas mehr einheimische 'Standortvegetation' (wertvolle Laubbaumarten, zB. Speierling u.a. Wildobst) anpflanzen und die Fläche mit 'beigemischten Bergmammutbäumen' deklarieren, welche dann eines Tages über die anderen Bäume hinausragen und die Oberschicht bilden.

Lärchen und Kiefern sind in dieser niedreigen kollinen Höhenstufe, auf gutem Boden im Weinbergsklima, leider nicht heimisch. Lärchen sind aber ökologisch eine Bereicherung, weil die Nadelstreu besonders guten Humus macht (d.h. den Boden nicht versauert) und sie lassen eher viel Licht durch. Für einen Bereich, der als sommertrockener, sonnenreicher 'Gebirgswald'  entwickelt wird, eignen sie sich natürlich gut. Wachsen werden sie bei Dir wahrscheinlich hervorragend.


Beschränken auf das Wesentliche

Du hast auf der Fläche nicht Platz genug für alles, was interessant wäre, selbst wenn Du alles dicht und total beliebig ineinander drängst. Bitte versuche zu reduzieren, und Abwechlsung durch sinnvolle aber in sich eher artenarme 'Bereiche' zu schaffen.

Ich würde keine Buchen pflanzen. diese Klimaxbaumart schlängelt sich mit weit ausstreichenden Ästen in de Kronen andere Bäume hinein und dunkelt sie aus. Unter großen Buchen wächst dann schließlich auch so gut wie nichts anderes mehr (und das Laub ist schlecht abbaubar und vergrault die meisten Kräuter und Gräser.) Buchen sind weder selten noch ökologisch besonders wertvoll, auch wenn natürliche, geschlossene Buchenwälder eine eigene speziell angepasste Bodenflora aufweisen. Diese hallenartigen Wälder haben einen schönen Charakter. Das ist aber hier wirklich nicht Dein Ding.

Auch keine Roteichen. Du hast doch 'Fremdländer' genug, und nur wenig Platz, wozu dann noch eine fremdländische und sehr konkurrenzstarke Eichenart die alle anderen Laubbäume totwächst? Pflanz lieber ein paar heimische Eichen, von den schönsten Bäumen der Region abstammend. Das fördert auch das Image (bezüglich Naturschutz).


Kommt Zeit, kommt Unwesentliches, oder: Das Fußvolk

Eventuell eignen sich heimische, blühende Buscharten zur Bildung eines Saumes (am Zaun). Ich würde aber mit sehr dornigen Arten (Schlehe, Weißdorn) sparsam umgehen weil Du den Zaun eines Tages auch wieder entfernen musst, und ggf. sogar die Wege freischneiden.

Gerade solange die Bäume noch klein sind, lohnt es sich, blühende krautige Arten anzusiedeln, einfach damit die Fläche mehr Spaß macht. Sie wird natürlich auch wertvoller, wenn man natürliche 'Standortvegetation', und hier wiederum Besonderheiten wie schöne Lichtnelken oder Orchideenarten ansiedelt, und alles was dort so unter Naturschutz steht, sofern Du davon legal Samen sammeln kannst. Im 'Redwood-Forest' (Sequoia) kannst Du Farne ansiedeln und Moose.


Ich glaube das reicht erstmal :)

(t)uff.
 
« Letzte Änderung: 30-November-2014, 20:09 von Tuff »
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Tuff

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #21 am: 29-November-2014, 06:41 »

Den minimalen Kronendurchmesser im Bestand (Bedarf) eines gut gewachsenen 200jährigen Bergmammutbaumes würde ich mit 20 m veranschlagen. Mit ein wenig Abzug, als Quadrat also etwa 400m². Die Kronen werden durch Sturmbruch und Blitzschlag aber niemals symmetrisch werden. Wenn man Dreiergruppen mit intern nur 5-7 m Abstand anlegt, können noch ein paar mehr Bäume auf der Fläche alt werden.

Bei maximaler Bestockung der Fläche kalkuliert man wahrscheinlich implizit den Wurzelraum jenseits der Parzellengrenze mit ein, ohne den es für die Wasserversorgung großer BM langfristig zu eng wird. Auch das kann man bei der Wahl der genauen Standorte berücksichtigen (etwa absichtlich an den Rand pflanzen).
« Letzte Änderung: 30-November-2014, 20:08 von Tuff »
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heiquo

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #22 am: 29-November-2014, 09:53 »

Chapeau Tuff!  Da ist alles gesagt.

Schöne Morgenlektüre gewesen ;).

Grüße Heiko
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Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #23 am: 30-November-2014, 18:56 »

Hallo Michael,
wow, da weiß man gar nicht, was man sagen soll!
Ich bin sehr begeistert. Vielen Dank für Deine aufwendige Zusammentragung der vielen Informationen.
Jetzt bin ich wieder um einiges schlauer geworden.
Nun habe ich auch verstanden, dass ich doch viel mit einheimischen Baumarten arbeiten sollte, um mir keine unnötigen Kritiker zu schaffen.
Die nächsten Tage werde ich noch intensiv auf Deinen Beitrag eingehen, doch jetzt habe ich leider noch etwas Arbeit vor mir.
Bis demnächst und vielen Dank.

Gruß
Richard
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Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #24 am: 10-Dezember-2014, 14:07 »

Hallo Mammutbaumfreunde,
tut mir leid, dass ich nicht früher Zeit gefunden habe, etwas zu schreiben. Ihr wisst ja, der vorweihnachtliche Stress ist im vollen Gange.
Also ich wollte zunächst noch einmal auf Michaels Beitrag eingehen.
Hm, wo fang ich da am besten an? Ich werde am besten alle Punkte nacheinander abarbeiten:
Die asymmetrische Gestaltung eines Grundstücks finde ich auch sehr wichtig. Man möchte ja keinen Militärwald in die Höhe ziehen.
Ich denke, dass der Versuch einen symmetrischen Wald/Biotop zu erschaffen sowieso sehr unnatürlich wirkt. Jedenfalls bin ich auch für eine überlegte Asymmetrie.
Der Schluchtwald ist bestimmt auch interessant und bei uns ist es in der Regel auch sehr bergig etc., aber ich denke, dass es sich als schwierig darstellen könnte,
ein geeignetes Grundstück zu finden. Die Idee, die Du beschrieben hast, ist für mich dennoch sehr ansprechend und ich werde mich in Zukunft auch etwas näher damit
beschäftigen. Für mich ist vor allem die Tatsache, das man Küstenmammutbäume und Thujen an solchen Orten auspflanzen kann, sehr verlockend.
Einen lichten Gebirgswald mit Lärchen, Kastanien, Kiefern usw. hört sich gut an. Bei uns ist das, in der Umgebung, eher nicht möglich. (Es gibt viele Erhebungen/Hügel, aber
nur sehr selten Berge) Falls sich für mich ein solches Projekt einmal ergeben sollte, dann würde das Grundstück weiter im Süden, in Richtung des Schwarzwaldes liegen.
Jetzt mach ich mal weiter.
Der "Geschützte Kernbereich .... Feenwald" ist bei uns in der Umgebung am einfachsten umzusetzen, da dafür einige landschaftliche Voraussetzungen vorhanden sind.
Da ich auch schon länger etwas mit Ginkgo Bäumen machen wollte, bietet sich vor allem dieser Vorschlag äußerst gut an.
(Kurz eine andere Frage: Wie schnell wachsen eigentlich Ginkgo Bäume?)
Die Einplanung von Lichtschächten finde ich ebenfalls eine ganz interessante und wichtige Sache. Wenn man im Wald vereinzelt solche Schächte entdeckt, sieht das immer sehr
eindrucksvoll aus und wahrscheinlich würde es ein entsprechend großes Grundstück optisch auch nochmal verschönern. Wenn man solche Lichtschächte einplant, muss, wie Du
schon erwähnt hattest, das Grundstück auch eine gewisse Größe besitzen, sonst funktioniert das nicht ganz. Es kommt natürlich darauf an, wie man es bepflanzt, aber auf einem
1000m² Grundstück wäre es eher schwierig, dies in die Realität umzusetzen. Da ich mir allerdings sowieso keine kleinen Grundstücke, unter 2000m² mehr anschaffen möchte,
sind die Lichtschächte eine Idee, die ich mir merken muss.
Die Bäume in diesen natürlich aussehenden Gruppen anzusiedeln gefällt mir, jedoch kommen wir da ganz schnell wieder zu Thema FÄLLEN. Wie Du geschrieben hast, ist das
für den Anfang ganz gut, doch wenn aus einem Baum "etwas werden soll", dann müssen in einer 3-Gruppe zwei entfernt werden. Ich habe wiegesagt verstanden, dass ich
ab und an auch die Säge in die Hand nehmen muss, aber ich versuche das so wenig wie möglich zu tun.
Als ich vor kurzem in Weinheim, im Exotenwald war, war ich sehr verwundert, wie dicht die BM dort gepflanzt wurden. Teilweise nur drei Meter Abstand. Diese Bäume sind dann
aber auch sehr in die Höhe geschossen. Nachdem ich Deinen Beitrag gelesen hatte, habe ich auf die Gruppen der BM geachtet. Und nie habe ich welche über vier Bäume gesehen.
Das man Altbäume im unteren Bereich entasten sollte, damit Schattenbaumarten dort wachsen können, finde ich sehr schön und vor allem sehr praktisch. Mit diesem Modell kann
man den gegebenen Platz gut ausnutzen und es wird nicht so eintönig. Für das Ökosystem ist das natürlich auch von Vorteil. Als Schattenbaum hat mir schon immer die Eibe
sehr gut gefallen, aber die würde ich selbst nur vereinzelt auspflanzen, da sie so schrecklich langsam wachsen. Würdest Du die Bäume im unteren "Stockwerk" erst dann pflanzen,
wenn die Bäume schon 20 Meter hoch sind, oder schon früher, oder noch später?
Jetzt werde ich mich zunächst erst einmal auf das genannte Grundstück konzentrieren und mir Eure Vorschläge genauer durch den Kopf gehen lassen. Für die Zukunft habe ich nun
schon eine ganze Menge von Informationen, die ich bei der Suche von anderen Grundstücken berücksichtigen kann bzw. sollte.
Wie Du auch erwähntest, muss ich jetzt zunächst einmal auf dem Boden bleiben und realistisch planen, was man auf einer Fläche von ca. 1800m² umsetzen kann.
Danke Euch allen für die Hilfe bei meinem Projekt.

Gruß
Richard

PS: Hier ist noch ein Bild von meinem Grundstück. Es besteht eigentlich aus zwei Flächen, die aber zusammen ein große bilden.
« Letzte Änderung: 15-Dezember-2014, 21:30 von Richard »
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Manfred

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #25 am: 16-Dezember-2014, 15:51 »

Servus Richard,
bei deinem Foto haben mich die weißen Linien nördlich deines Grundstücks etwas irritiert. Und siehe da, nach einem kurzen Google-Earth Blick ist das wohl eine Hochspannungsleitung, die ziemlich genau die nord-westliche Ecke des Grundstücks streift.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es da einzuhaltende Mindestabstände gibt. Falls zu nahe gepflanzt, hätte jeder Mammut dort aber sowieso keine Chance auf langes Leben  :(

lg
Manfred
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Tuff

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #26 am: 16-Dezember-2014, 16:58 »

Hmm, ich glaube nicht daß es Hochspannung ist, es sieht eher nach den gewöhnlichen Verteilern aus (Einzelmasten aus Holz). Da sind die Vorgaben sehr viel entspannter :)

Die werden ja auch alle paar Jahrzehnte mal neu verlegt (teilweise sogar unter die Erde), man kann also noch hoffen daß dies auch hier eines Tages geschieht.

So eine Leitung ging früher durch eine Ecke meines 'Groves' (bevor ich das Projekt begann). Ich hatte gerade begonnen mir Sorgen zu machen wegen einer alten schweren Lärche, die irgendwann etwas aus den Schuhen gerutscht sein muß und sich ziemlich stark in genau in diese Richtung neigte. Aber dann wurde die Leitung auf einmal komplett abgebaut. Die Lärche steht heute (nach Kyril und enigen anderen Stürmen) immer noch ganz genauso da ...

Eine andere Leitung geht leider mitten ducrh unseren Garten. Ich habe deswegen mal bei den Betreibern angefragt und sie sagten, ich müsse nur offensichtliche Gefahren beseitigen oder wenigstens ihnen melden. Wenn ein Baum umfällt wird das als 'höhere Gewalt' gewertet, jedenfalls wenn nicht grobe Fahrlässigkeit vorlag.

Die Betreiber schicken alle paar Jahre einen Trupp durch die Leitungen der alles wegsägt was gefährlich ist. In Gärten sind sie bei uns aber immer sehr zurückhaltend gewesen, und auch generell machen sie normalerweise nichts überflüssiges.

Es ist aber sicher eine gute Idee dort mal anzurufen und im Vorfeld zu fragen, wie die Rechtslage ist.

Die Betreiber haben damals (vor 50 Jahren?) sowas wie 2-3 DM pro lfm gezahlt und damit für alle Zeit das Recht erhalten, die Trasse zu betrieben. Es gibt also irgendwo im schrank noch einen 'Vertrag' und man kann sich nicht gegen so eine Leitung wehren. Sonst wären diese Leitungen aber auch unmöglich.
« Letzte Änderung: 16-Dezember-2014, 17:00 von Tuff »
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Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #27 am: 16-Dezember-2014, 17:10 »

Hallo Manfred,
ich gebe zu, dass man auf dem Bild vermuten könnte, dass die Stromleitungen fast direkt neben dem Grundstück sind.
In der Realität sieht es aber so aus, dass die Leitungen einige Meter vom Grundstück entfernt sind.
Ich habe natürlich auch diesen Faktor berücksichtigt und beim Amt nachgefragt und die meinten, dass ihnen dass nichts ausmachen
würde, wenn ich dort Bäume pflanzen würde. Ich werde aber trotzdem, aus Sicherheitsgründen, keine Mammutbäume in diese untere
Ecke pflanzen, sondern eher weiter oben. Da unten kann man dann einen "Eingangsbereich" gestalten, oder einfach etwas Platz lassen.
Es ist ja nicht so, dass ich jetzt alles mit Bäumen zustellen muss, das ist ja auch nicht schön.
Ich weiß zwar nicht wieso, aber auf meinem Bild und bei anderen Programmen, im Internet, sind überall die Linien so dicht neben dem Grundstück.
Ich war deswegen heute extra nochmal dort und habe gesehen, dass die Leitungen ca. 10m neben dem Grundstück sind. Warum das so dargestellt ist,
ist fragwürdig, aber ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Die Bäume dürfen sowieso nicht über die Grundstücksgrenze hinauswachsen und daher,
sehe ich hierbei eigentlich kein Problem.
Trotzdem, muss ich sagen: Du hast echt sehr gute Augen, die Leitungen wären mir, wenn ich das Bild nicht gekannt hätte, nicht so schnell aufgefallen.

Gruß
Richard
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Tuff

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #28 am: 16-Dezember-2014, 17:13 »

weil das Luftbild schräg gemacht wurde
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Richard

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Re: Projekt "Redwoods für die Umwelt"
« Antwort #29 am: 16-Dezember-2014, 17:19 »

weil das Luftbild schräg gemacht wurde

Ja, wahrscheinlich. Jedenfalls bin ich jetzt wieder um einen Schrecken erleichtert.

Gruß
Richard
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