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Sinn und Unsinn von MB-Meldungen

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denniz:
Hallo MB-Freaks!

Ich habe in den letzten Wochen viel über das MB-Register nachgegrübelt, zum einen weil ich meine MBs noch nicht gemeldet habe
zum anderen weil mich etwas davon abhält das zu tun. Deswegen will ich hier mal den Sinn des Registers auf den Prüfstand gestellt wissen.

Hier ein par kritische Anmerkungen:

Es ist ungeheuer viel Arbeit, die vielleicht einigen von uns Spass macht, aber auch seine Tücken hat, denn
1. Es werden evtl. mehr MBs gepflanzt (UM und BM) als gemeldet werden, was sich irgendwann zur Unmöglichkeit
und Sinnlosigkeit entwickelt, weil ja in fast jedem Vorgarten ein UM oder BM befindet, der
2.spätestens nach 20 Jahren wieder entfernt werden muss, weil die meisten Leute zu wenig Platz für unsere Lieblingsriesen haben.
BM und UM die also weder forstlich genutzt werden, noch in einem Vorgarten stehen, haben die Chance alt zu werden.
Für diese ist das Register interessant, das sind meines Erachtens aber die wenigsten.

Für KM sehe ich einen konkreten Nutzen, wenn wirklich eine Flächendeckende Meldebereitschaft entsteht.
Allerdings sehe ich auch eine große Gefahr im Register, denn jeder Baum-Zerstörer/Mammutbaumhasser kann ganz einfach
unsere Daten nutzen um grossen Schaden anzurichten, deswegen sind viele wertvolle Bestände aufgrund von Vandalismus-
befürchtungen nicht gemeldet.

Wenn wir also weiterhin die Verbreitung der MB propagieren und durch Züchtungen unterstützen, wird das Register
irgendwann zu einer Riesenaufgabe, oder zum Unsinn weil es keine wirkliche Aussagekraft mehr hat wenn nur 5% der Bäume wirklich drin sind,
oder weil sowieso an jeder Ecke ein MB steht und das melden einfach nicht mehr zu bewältigen ist... 8)

meldefaulenGruß
Denniz

Bernhard:
Hallo Denniz,

über Sinn und Unsinn der MB Meldungen habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht. Der Sinn besteht darin, daß der Verein sich das Erfassen im Register "aller" BMs in Deutschland/Europa auf die Fahne geschrieben hat.

Dieses Argument:


--- Zitat von: denniz am 12-Juli-2012, 13:11 ---........
Allerdings sehe ich auch eine große Gefahr im Register, denn jeder Baum-Zerstörer/Mammutbaumhasser kann ganz einfach
unsere Daten nutzen um grossen Schaden anzurichten, deswegen sind viele wertvolle Bestände aufgrund von Vandalismus-
befürchtungen nicht gemeldet.

.......

--- Ende Zitat ---

lässt mich allerdings nochmals nachdenklich werden, denn so weit hergeholt ist das nicht. Danke!

Mal sehen, was die Kollegen so sagen.

Gruß
Berni

xandru:
Hallo Denniz,

In gut abgedeckten Gebieten dürften über 90% der Mammutbäume erfasst sein. Sicher besteht eine gewisse Ungenauigkeit, weil Verluste erst mit Verzögerung gelöscht werden und Jungpflanzen erst mit Verzögerung gemeldet werden. Lass es bei den Vorgarten-Mammuts nur weniger als 80% sein – so sind es bei den Veteranen mit Sicherheit deutlich mehr als 90%! Auf jeden Fall dürfte die Verteilung der Meldungen im Raum Rhein/Ruhr/Neckar/Bodensee auch in etwa die tatsächliche Verteilung der Bäume aufzeigen.

Der „Durchsatz“ ist kein prinzipielles Argument; in einem offenes System stellt sich eben ein Fließgleichgewicht ein. Möglich sind Aussagen vom Typ: „dort haben wir x Bäume im Register“; nicht gedeckt sind Aussagen wie: „dort stehen y Bäume“.

Ob es Sinn macht, Vorgartenbäume weiterhin zu dokumentieren, wenn das Register nur 5% abbildet, können wir diskutieren, sobald es so weit ist. Auch hier: Keiner sollte aus dem Register ablesen wollen, wie viele Bäume irgendwo tatsächlich stehen.

In Gegenden, die von Mammutbaumfreunden nicht durchforstet werden, sind ein paar Zufallsfunde an touristischen Punkten oder an Hauptstraßen bekannt. Der Raum westlich von Markgröningen war bis 2009 bei uns ein ziemlich weißer Fleck, ebenso Oberschwaben; für diese Gebiete haben wir 2009 zeigen können, dass die Bäume durchaus da sind. Wie weit im Osten Deutschlands auch noch bedeutend mehr Funde unentdeckt schlummern als gemeldet sind, wird die Zukunft zeigen.

Nur Daten freilich, die man erhoben hat und die man publiziert, sind der Auswertung und Interpretation zugänglich. Erst dann kann man sich fragen, wieso in einer Region viel oder wenig Bäume einer bestimmten Spezies stehen – wofür es sicherlich oft auch kulturelle Erklärungen gibt. Dann kann man sich fragen, wie die besonders hohen oder dicken Exemplare einer Spezies verteilt sind – was dann manchmal auch durch biologische Limits bedingt sein mag.

Soweit also die statistische Schiene. Ich behaupte: Statistischen Aussagen sind bei einer gewissen Meldedichte und bei einer gewissen Datenqualität durchaus möglich. In Gebieten freilich, wo beispielsweise die Liebhaber nur auf BMs und nicht auf Metasequoien geachtet haben und wo die wenigen Zufallsmeldungen auch oft noch ohne Höhenangabe sind (Frankreich, Schweiz), sind Ranglisten ohne Aussagekraft, weil die statistische Grundlage fehlt und jede Liste eher die Zufälligkeiten der Meldegeschichte widerspiegelt als die Verteilung der Bäume.

PaddyPatrone:
Ich persönlich finde es sehr gut, dass es das Register gibt. Ich komme zwar nicht mit dem Meldeformular klar, aber habe im Register an sich schon einige größere und ältere Bäume in meiner Umgebung besucht und es war immer interessant zu sehen wie der Baum in Natura aussieht und dann auch noch Daten wie Alter und Höhe dazu zu haben. Woher soll mann auch wissen wo die dicken Brummer stehen, wenn nicht von hier .

PS: Vielleicht kann mir ja nochmal irgendwann jemand genau beschreiben wie das melden der Bäume funktioniert, denn ich bin glaube ich nicht so dafür geeignet es auf Anhieb zu verstehen ;D .

Gruß

Patrick

xandru:


Jetzt zum individuellen Aspekt. Ich habe den ersten Kontakt zum Mammutbaumregister dazu genutzt nachzusehen, wo in meiner unmittelbaren Umgebung ich mir mal einen UM oder einen KM ansehen kann.

Und seit über einem Jahr ist ja die Kartensuche öffentlich für alle zugänglich und nicht mehr nur für registrierte Benutzer. Jeder kann sich also nach Lust und Laune auf der Karte anzeigen lassen, wo in seinem persönlichem Umfeld Mammutbäume stehen. Viele sind erstaunt, weil sie zwar das Wort kennen (von dem bekanntlich eine ziemliche Faszination ausgeht), aber eben gar nicht wissen, dass es auch in der eigenen Nachbarschaft Mammutbäume gibt. Insofern helfen wir unseren Lieblingen zur Bekanntheit.

Ferner stellen wir hier im Rahmen der Melderei immer wieder Bäume vor, über die sich Diskussionen ergeben. So schult sich der Blick auf den Befund oder die Sensibilität für Standortprobleme. Diese Bäume sind zwar austauschbar und viele der Vorgartenbäume, um die es dabei geht, wären kein großer Verlust für die Mammutheit. Aber alle paar Monate wenden sich Besitzer oder Anwohner an den Verein, weil ihnen ein einzelnes Exemplar besonders am Herzen liegt. Wenn wir da kompetente Hilfe geben können – oft genug Argumentationshilfe –, erreichen wir die Menschen. Und das ist ein unschätzbarer Gewinn.

Bleiben letztlich die wenigen Bäume, die nach den Regeln des Größer/Höher/Weiter in Rekordlisten gehören oder die einfach ganz persönliche ästhetische Empfindungen ansprechen. Ein besonders schöner Mammutbaum erfreut uns genauso wie ein besonders kurioser Zwiesel oder eine seltene Zuchtform.

Hier lohnt sich die Dokumentation für die individuelle Pflanze. Nimm das Beispiel des Sturms in Stuttgart. Ein Laie hätte im Kopf den rechten Baum ergänzt und behauptet, der Sturm hätte die halbe Krone heruntergeworfen. Der Vergleich mit älteren Bildern zeigt, dass der Verlust minimal war und dass diese Bäume schon seit Jahrzehnten immer wieder Rückschläge hinnehmen mussten. Dann fallen dem einen oder anderen vielleicht Vergleiche zu einem Baum in einer ähnlichen Lage ein – und schon zeigt sich der Nutzen dessen, dass hier besonders auch die Veteranen gebührend dokumentiert werden.

Über die Gefahr von Vandalismus möchte ich nicht spekulieren. Dann müssten wir unsere ganzen Burgen und anderen historischen Monumente von den Karten tilgen und hinter hundertjährigen Rosen verbergen. Auch hierüber sollte man erst dann reden, wenn tatsächlich eine Tat geschehen ist und nicht vorher. Denn auch Anpflanzungen unterscheiden sich und erst wer ein paar von ihnen gesehen hat, kann sich ein Bild davon machen.

Es bleibt sicherlich dem Besitzer überlassen seine Bestände selber publik zu machen oder auch nicht. Aber von keinem Baumbesitzer der Welt werde ich mir verbieten lassen öffentlich sichtbare Funde zu publizieren.

Freiheitliche Grüße,
Wolfgang

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