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Autor Thema: Hallimasch  (Gelesen 8319 mal)

Tuff

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Re: Hallimasch
« Antwort #15 am: 01-Dezember-2008, 12:49 »

Wie ist die Gefährdung bei Mammutbäumen einzuschätzen ?

Es stellt sich die Frage wie gefährdet die Mammutbaum-Arten sind. Man kann diese Frage nur im Zusammenhang mit dem angetroffenen Pilzstamm beantworten. Das Vorhandensein eines harmlosen Stammes wie A. mellea sagt wenig über die Hallimaschresistenz eines Baumes aus; erst ein aggressiver Pilzstamm wie Armillaria ostoyae (Dunkler Hallimasch) stellt den Baum auf die Probe.

Es besteht die Möglichkeit daß die spezielle Rinde von Berg- und Küstenmammutbaum ein Eindringen des Hallimasch normalerweise verhindert. Es ist bekannt daß Wurzelverletzungen einen Baum anfälliger machen für das Eindringen von schädlichen Pilzen und Bakterien. Eine Verletzung macht natürlich auch dem Hallimasch das Eindringen leichter.

Da viele Mammutbäume in bebauten Gebieten (oder auch auf Friedhöfen) stehen, sind Wurzelverletzungen sicher relativ häufig anzutreffen. Andererseits sind isolierte Inseln in der 'Steinwüste' Stadt kein Lebensraum für feuchteliebende Pilze. Die Rhizomorphen des Hallimasches benötigen generell Feuchte, und gedeihen zudem am besten im feuchten Millieu eines schattigen Waldbodens, nicht im sommertrockenen Oberboden einer städtischen Rasenfläche.

In forstlichen Jungkulturen ist Hallimasch generell (bei Nadelbäumen) häufig anzutreffen, kann sich hier zum Beispiel über vedrrottende Wurzeln des Vorbestandes einige Jahre halten und in die jungen Bäume eindringen.

Hallimaschbefall bei Sequoiadendron

Hallimaschbefall in Jungkulturen von Sequoiadendron wurde von folgenden Standorten berichtet:

(1) Arboretum Günterstal, Freiburg. Förster Nimsch begründete etwa von 1970-1980 einen gemischten Sequoiadendron-Bestand gegründet. Laut Nimsch waren bis 2003 regelmässig einzelne Bäume von Hallimasch befallen worden.
http://www.mbreg.de/forum/index.php?topic=1307.msg9447#msg9447

(2) Arboretum Burgholz (todo)


Ausgewachsene Einzelbäume sind dagegen seltener Opfer des Pilzes:

(1) Arboretum Härle / Oberkassel hatte eine Metasequoia BHD in der Ordnung von 80 cm die wegen Hallimasch gefällt wurde. Jetzt ist der Nachbar, ein Bergmammutbaum abgängig. Eine Bestätigung von Rhizomorphen steht noch aus, es ist aber sehr wahrscheinlich wieder derselbe Pilz.
http://mbreg.de/forum/index.php?topic=1940.0

(2) Bonn, bot. Garten. Ein junger Seq. gig. (ca. 5m?) wegen Hallimasch abgestorben. 10 Jahre früher war eine Baustelle war in 10 m Entfernung, das haut ja nicht hin, damals war der Baum noch sehr klein.
http://www.mbreg.de/forum/index.php?topic=596.0

(3) Freiburg, Lorettoberg - Mercystraße, Koordinaten ungefähr 47.9785, 7.83902
Ein älterer Baum (Stockdurchmesser ca. 150) in einem verwilderten Privatgarten am Hang wurde nach Hallimaschbefall ca. 1996 gefällt.  Rhizomorphen im Kambium, und weißes Fächermycel inmitten der braunen Borke (!) (Beobachtung Helgo Bran, Freiburg, und Autor). Feuchter schattiger Osthang. Das Grundstück wurde später bebaut daher heute nicht mehr eindeutig wiederzufinden.
« Letzte Änderung: 07-Februar-2009, 22:02 von Tuff »
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sequotax

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Re: Hallimasch
« Antwort #16 am: 07-Februar-2009, 18:56 »

Hallo Tuff et al.,

ich habe in meinem (Kiefern-)Brennholz einen Pilz entdeckt, der mit nach Hallimasch aussieht.
Anbei Fotos von zwei Fruchtkörpern und ein paar Rhizomorphen.

Liege ich mit meiner Diagnose richtig  ??? ??? ???

Halli-masch,

Remi
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Bischi

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Re: Hallimasch
« Antwort #17 am: 07-Februar-2009, 19:05 »

Hallo Wayne
Der Fruchtkörper ist definitiv kein Hallimasch, das Myzel könnte das vom Hallimasch sein.
Lass den Tuff mal ran
Es grüßt   Jürgen
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Tuff

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Re: Hallimasch
« Antwort #18 am: 08-Februar-2009, 23:02 »

Remi,

Ich habe mit einem befreundeten Pilzexperten Rücksprache gehalten. Bei Bild 1 und 2 könnte es sich um ein frühes Fruchtkörper-Stadium des Fichtenporlings (Phomitopsis pinicola) handeln.
Auch Rotrandiger Baumschwamm genannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fichtenporling
http://www.mykoweb.com/CAF/species/Fomitopsis_pinicola.html

Bild 3 sind eindeutig Hallimasch-Rhizomorphen.
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Bischi

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Re: Hallimasch
« Antwort #19 am: 08-Februar-2009, 23:20 »

Wie kam ich nur auf Wayne ???
Remi wäre natürlich richtig gewesen... tz tz tz
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Zinnauer

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Re: Hallimasch
« Antwort #20 am: 09-Februar-2009, 13:30 »

Muss hier kurz replizieren:

Wer Hallimasch isst, ist sowieso ein Verräter! >:( >:( >:(

Hallimaschhassender Gruß vom Z.
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Bischi

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Re: Hallimasch
« Antwort #21 am: 09-Februar-2009, 13:56 »

Wer Hallimasch isst, ist sowieso ein Verräter! >:( >:( >:(

Hallo Z.
Warum denn das? Jeder Fruchtkörper der geerntet wird, vermindert die Verbreitung des Pilzes durch Sporen. Aus Sicht der Bäume dürften Hallimachsammler/esser sehr willkommen sein.
Hallimaschgernessende Grüße vom Jürgen
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Zinnauer

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Re: Hallimasch
« Antwort #22 am: 09-Februar-2009, 21:16 »

Hallo Jürgen (Bischi):

Entschuldige den "Verräter", das kam heute so spontan über mich. Natürlich gönn ich dir die Pilze und wenn´s auch der Hallimasch ist. Nur ich möchte sie eben nicht essen....

Relativierende Grüße von Michael
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Bischi

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Re: Hallimasch
« Antwort #23 am: 10-Februar-2009, 07:40 »

Hi Michael
Null Problemo...... :D
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Tuff

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Re: Hallimasch
« Antwort #24 am: 05-Februar-2014, 01:58 »

Wurde eigentlich schon erwähnt  daß vom Hallimasch zersetztes Holz in völliger Dunkelheit leuchtet ? Man nennt das Biolumineszenz, und es hat mit vom Pilz produzierten speziellen Phosphaten zu tun.

Man nehme sich mal so ein Stück weissfaules Holz mit nach Hause und probiere es aus ! Die Augen müssen sich aber erst ganz an die Dunkelheit gewöhnen.
« Letzte Änderung: 05-Februar-2014, 02:45 von Tuff »
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Tuff

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Re: Hallimasch
« Antwort #25 am: 05-Februar-2014, 02:01 »

Krasse Geschichte:

Hallo Tuff,

zum Hallimasch habe ich auch noch was beizusteuern.
In Oregon gibt es einen Hallimasch mit bisher offenbar unvorstellbaren Ausmaßen .

VG Klaus

http://www.pilz-baden.ch/pdf/hallimasch.pdf 


Und da Waldgebiet heisst tatsächlich Malheur National Forest ...

Man darf das aber nicht zu eng sehen. Pilze können schon im eigenen Myzel genetisch variieren. Das wurde mir jedenfalls im mikrobiologischen Grundkurs an der Uni beigebracht. Das Konzept eines 'Individuums' lässt sich auch nicht so einfach auf einen klonalen Pflanzen- oder Pilz-Organismus übertragen, finde ich. Ist zB. ein Steckling noch dasselbe Individuum wie die Mutterpflanze ? Und wenn ein langes Pilzmycel an einer Stelle unterbrochen wird ? Die Kolonie in Oregon könnte aus tausend Fragmenten bestehen.
« Letzte Änderung: 05-Februar-2014, 02:40 von Tuff »
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Joachim H.

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Re: Hallimasch
« Antwort #26 am: 25-November-2018, 23:13 »

Ich habe bei meinem BM und bei meinem UM (beide 10 Jahre alt) auffällige Pilze am Stammfuß entdeckt. Sind das Hallimasch-Pilze?

In der Umgebung lagere ich auch Totholz. Neben dem BM stand mal ein Pflaumenbaum, dessen Wurzeln offenbar langsam zersetzt werden. Aber den BM hatte ich mit Wurzelballen dort hingepflanzt (ohne auf tote Wurzeln zu stoßen), sodass die Pilze eigentlich nicht bis zum Stammfuß vordringen sollten, falls sie nur die alten Wurzeln des ehem. Baums zersetzen.

Beim UM wuchsen die Pilze eindeutig aus dem Holz des Stammfußes heraus. Der Baum ist also bestimmt infiziert. Diese typischen schwarzen "Schnüre" habe ich auf den ersten Blick nicht gesehen. Die Stammbasis sah bis 3-4 cm unter der Erdoberfläche völlig unauffällig aus. Ich konnte im Nachhinein nicht mehr feststellen, wo die Pilze genau rauswuchsen.

Kann man abschätzen, ob die beiden es überleben werden? Bisher fielen mir keine Pilze auf. Der Sommer war trocken - vielleicht hat das die Bäume geschwächt. Beide wachsen gut, der UM in den letzten Jahren jedoch immer etwas weniger in die Höhe (liegt vermutlich am stärkeren Wind in meiner Gegend mit zunehmender Höhe). Können sie sich wieder erholen?
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Tuff

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Re: Hallimasch
« Antwort #27 am: 26-November-2018, 15:05 »

Jo,

regennass sehen Pilze oft anders aus, als 'typisch'. Es gibt daher noch andere Möglichkeiten. Vergleich mal Wikipedia Stockschwämmchen.
 
... um schwarze Schnüre zu finden, musst Du ein bißchen tiefer gehen, bis zu den Wurzeln der Pilze. Mit einem Messer, ganz vorsichtig.
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heiquo

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Re: Hallimasch- Biologisches Mittel dagegen??
« Antwort #28 am: 14-Februar-2019, 09:46 »

Hallo,

per Zufall auf der News-Suche nach Trockenstress bei Gockel, stieß ich auf diesen brandneuen Artikel:
https://www.soll-galabau.de/aktuelle-news/ansicht-aktuelles/datum/2019/02/14/produktneuheit-in-der-baumpflege.html

Das Mittel soll mit dem  Trichoderma harzianum Pilz als Gegenspieler zum Hallimasch auftreten und ihn sogar abtöten.
Interessante Sache mit diesem Bodenhilfsstoff Avengelus Pro. Die Bilder sind eindeutig ;) Vielleicht ein Produkt, dass wirklich hält was es verspricht und so vielleicht den ein oder anderen Mammutbaum ( und andere alte oder interessante Bäume) retten kann.

Gruß Heiko
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Bernhard

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Re: Hallimasch
« Antwort #29 am: 14-Februar-2019, 09:54 »

Hallo Heiko,

das wird auch den einen oder anderen Ginkgo gefallen.
Wenn meine Informationen richtig sind, dann ist der Hallimasch der einzige Pilz der Ginkgos umbringen kann.

Gruß aus dem Wald.
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than a gardner in a war ......
 

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