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Autor Thema: Bergmammutbaum (Sequoiadendron): Welche Herkünfte zur Anzucht ?  (Gelesen 1464 mal)

Tuff

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Hallo,

das Thema wurde ja an vielen Stellen bereits diskutiert. Was ich mir von diesem neuen Thread erhoffe: Eine Zusammenstellung von Beobachtungen, welche einen Hinweis darauf geben, welche Herkünfte für unsere (Deutschen) Verhältnisse vielleicht besonders vorteilhaft sind. Das können einzelne Siera-Groves sein, oder auch Bestände hier im Land.
Ich schlage vor, hier den Schwerpunkt auf den Vergleich kalifornischer Groves zu legen.

Das wichtigste zuerst: Eine interessante Studie welche genau das schildert, was auch andere hier schon vermutet haben, und was ich bei eigenen Anzuchten ebenfalls feststellen konnte:

"Trees that came from the Sierra’s larger groves were growing faster than trees from its smaller groves. They were more “genetically fit,” Berrill said, possibly because they were less inbred. Researchers also found that seedlings from southern latitudes were doing better than those from the north, possibly because they were better adapted to hot, dry conditions."

Inhaltlich knapp zusammengefasst: Bäume aus Samen von größeren Groves wachsen schneller als solche von kleineren Groves. Sie sind genetisch anscheinend fitter, vielleicht aufgrund geringerer Inzucht. Außerdem schienen sich bei den Versuchspflanzungen Sämlinge aus südlichen Groves besser zu behaupten als solche aus dem Norden des Verbreitungsgebietes; vielleicht weil sie angepasster an trockene Bedingungen sind.

https://www.savetheredwoods.org/grant/small-giant-sequoia-groves-may-not-endure/

Ich habe viele Herkünfte von "Deutschen" Bäumen, sowie auch aus Sierra-Groves getestet, indem ich sie im Freiland aufzog und die Besten dann sehr früh in meinen Grove auspflanzte. Große Unterschiede zeigten sich hier vor allem in der frühen Phase der ersten 3-5 Jahre; wenn sie größer werden (vielleicht ab 1m), wachsen eigentlich die meisten BM recht gut (entsprechenden Standort vorausgesetzt).

Es gab jedoch keine Herkunft die vom Keimling an so zuverlässig und rapide wuchs, auch in der Masse, wie die wenigen Exemplare der Herkunft "Giant Forest". Mein Vorzeige-Exemplar namens 'Sherman' ist Ende 2012 gekeimt und inzwischen (Oktober 2018) circa 240 cm hoch, mit 50-70 cm Zentraltrieblänge in den letzten Jahren, was für meinen Grove ein sehr gutes Ergebnis ist; und weist annähernd doppelt soviel grüne Nadelmasse auf, bei doppelt so breiter 'Krone', wie gleich alte andere aus Deutschen Herkünften. Das hat mir sehr zu Denken gegeben.

Bergmammutbäume unterscheiden sich genetisch nach den Ergebnissen von Libby u.a. anscheinend statistisch gesehen generell nicht gravierend. Es ist also nicht zu erwarten, daß die Unterschiede zwischen den Herkünften verschiedenen Groves total auffällig sind. Wir müssen also auch auf feine Unterschiede achten, welche sich vielleicht erst nach Jahrzehnten deutlicher zeigen würden (etwa wenn eine Herkunft in der Höhe durschschnittlich nur wenige cm mehr im Jahr schafft als andere.) Natürlich wäre es dann jetzt eigentlich noch zu früh, überhaupt etwas festzuhalten. Aber wenn wir die Unterschiede jetzt schon mal beschreiben, werden wir auch mehr darauf achten, vielleicht auch mal (hier) ein paar Updates machen, und können dann in vielen Jahren darüber berichten, ob unser Eindruck von damals korrekt war.
« Letzte Änderung: 01-November-2018, 21:21 von Tuff »
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Tuff

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« Letzte Änderung: 01-November-2018, 17:41 von Tuff »
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Tuff

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Re: Bergmammutbaum (Sequoiadendron): Welche Herkünfte zur Anzucht ?
« Antwort #2 am: 01-November-2018, 17:17 »

Was hier extrem nützlich wäre, sind Erfahrungsberichte mit Anzuchten aus weiteren Siera-Groves:

1. Wie machten sich die Keim/Sämlinge in der Anzucht (etwa Keimrate, Ausfall durch Pilzbefall, Wuchstempo) ? Das ist natürlich zum großen Teil von den Anzuchtbedingungen abhängig, welche auf jeden Fall auch erwähnt werden müssen (zB. Gewächshaus mit künstlicher Belichtung, vs. Töpfe im Freien). Besonders wertvoll sind die Unterschiede verschiedener Herkünfte bei ansonsten gleichartiger Anzucht.

2. Wie machten sich die ausgepflanzten Exemplare ?
Dazu muss man auch die Standortbedingungen erwähnen, mindestens knapp die Versorgung mit Wasser (Niederschlag in der Vergetationszeit, und Bodengüte) und Licht (Schatten, zB. unter Schirm) andeuten.

Hier muss man ferner den Pflanzschock anrechnen, welcher je nach Anzuchtverfahren und Differenz der neuen Standortbedingungen für bis zu 3 Jahre Wuchsstockung verantwortlich sein kann. Ein in der Anzucht bereits sehr vitaler wurzelstarker BM sollte diesen jedoch auch deutlich schneller überwinden.

Aber ich will jetzt niemanden durch zuviele Angaben abschrecken - jeder Hinweis, egal wie knapp, ist wertvoll.
« Letzte Änderung: 01-November-2018, 18:20 von Tuff »
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Tuff

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Re: Bergmammutbaum (Sequoiadendron): Welche Herkünfte zur Anzucht ?
« Antwort #3 am: 01-November-2018, 17:38 »

Eine Sache möchte ich noch ansprechen. Natürlich kann ein einzelner Sämling sich (rein zufällig) hervorragend machen, obwohl ein großer Anteil der Samen des Elternbaumes, zB-. bei einem selbstbestäubenden Solitär, eigentlich nichts taugen. Dasselbe trifft für die Herkunft aus einem bestimmten Grove zu. Wir dürfen also solche Einzelfälle nicht verallgemeinern. Erst durch eine größere Menge an Berichten / Beobachtungen kann man vorsichtig eine Aussage treffen.

Ich habe zb. schon öfters von dem einzeln stehenden, wunderschönen Mammutbaum an der Doppelkirche von Schwarzhrindorf berichtet. Man findet nur selten einen grünen Zapfen darunter (natürlich eher nach einem Sturm), aber diese wiesen für einen Solitär eine relativ zuverlässige Keimrate, grob in der Größenordung amerikanischer Herhünfte auf. Die sehr wenigen von mir ausgepflanzten Sämlinge sehen auch generell gesund aus, und wuchsen problemlos an und zu  - allerdings bisher immer unter dem Niveau der Giant Forest Herkunft. Dennoch scheint mir dieser Baum außergewöhnlich zu sein, und einer Nachzucht wert.

Im Unterschied dazu, hatte eine große Menge grüne Zapfen frisch aus der Krone des Hauptbaumes in Freiburger Botanischen Garten (inzwischen gefällt) eine sehr geringe Keimrate, und die Sämlinge waren schwach. Bis auf einen, welcher nach Überwindung des Pflanzschocks nun mit 'Sherman' um die Wette wächst; allerdings, bei vergleichbarer Zentraltrieblänge, mit nur ~50% dessen Massenproduktion. Dies demonstriert, daß ein einzelner 'Supersämling' jederzeit auch bei ansonsten mauer Herkunft drin ist.
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