Mammutbäume (öffentlicher Bereich) > Experten- und Fachbeiträge

Waldbau und Pflanzungen bei Dürre und Klimawandel - was tun

(1/24) > >>

Tuff:
Hallo,

Die diesjährige (2018) extreme Sommerdürre in Mittel- und Nordeuropa hat mich veranlasst, hierfür mal einen eigenen Thread zu eröffenen. Es soll aber insgesamt nicht nur um Dürrezeiten gehen - etwa ist auch Sturmfestigkeit ein zunehmende Herausforderung durch den Klimawandel.

Vieles wurde zur diesjährigen Dürre schon an anderer Stelle gesagt, ich werde versuchen im Laufe der Zeit das Wichtigste hier nochmal zusammenzustellen.

Klimawandel http://mbreg.de/forum/index.php/topic,1693.msg126486.0

Wasserhaushalt http://mbreg.de/forum/index.php/topic,2691.msg126485.0

(siehe jeweils vor allem die Beiträge im Jahr 2018)

Die meisten behandelten Aspekte sind sicher auf für Gärten verwertbar.

Tuff:
Als erstes möchte ich mich dem Thema 'Anpflanzen' widmen.

Es gibt ein paar einfache Maßnahmen welche bereits in dieser Phase besonders wichtig sind.

Ich nenne mal ein paar Ideale, auch wenn diese bei waldbaulichen Größenordnungen selbstverständlich nicht realisierbar sind. Aber man sollte wenigstens wissen, was gut und was schlecht ist !

Es ist gerade im Hinblick auf Dürrezeiten besonders wichtig, tiefe und weitstreichende Wurzeln zu fördern. Wurzeln wachsen meistens in Stockwerken, man kann also beides gesondert fördern.

Die wichtigsten Maßnahmen hierfür sind:

1. Wurzelverdrehungen bei Topf- oder Ballenpflanzen auflösen und, wenn man es sich (etwa bei besonders wertvollen Einzelpflanzen) leisten kann, sogar kleine Kanäle graben und Wurzeln radial verlegen.

2. Bei steinigem Boden ein möglichst tiefes Loch ausschachten und versuchen mit der Brechtsange in die Tiefe Spalten aufzubrechen. In der Hoffnung daß wenigstens einzelne Wurzeln einen Weg hinunter finden. Auf flachgründigen Böden nicht tief einpflanzen, sondern im Gegenteil leicht erhöht auf einen Hügel - sonst müssen sich zu tief gesetzte Wurzeln später nach oben biegen, um an Regenwasser und Luft zu gelangen; was auf bei Sturm (auf Zug!) instabil ist. Den Hügel mit einer Auflage vor Austrocknen schützen. - Die Wurzeln müssen selber in die Tiefe finden. Sie sollten bei der Pflanzung seitwärts und leicht abwärts streichen.

3. Bei speziell wertvollen, jungen Bäumen, für die sich der Aufwand lohnt, in Dürrezeiten nur auf die richtige Weise Gießen:

Nicht direkt an den Stammfuß, sondern dort wo man die Wurzeln hinlenken möchte und mit jedem Jahr in größerem Abstand.

Meine extrem vereinfachte Faustregel ist: Gießen in Abstand Baumhöhe - und von dort nur in Richtung nach außen !

Entweder als 'Gießring' rundherum oder gezielt nur einzelne Himmelsrichtungen, die dann zu weiteren Feuchtevorkommen (Senken, Schatten) in der Entferung führen sollten. Die Haupt-Sturmrichtung sollte immer dabei sein (Bäume werden im Sturn nur auf Zug festgehalten) und die Schattenseite des Baumes ebenfalls, als natürlicher Feuchtespeicher bei starker Sonnenstrahlung.

Bei größeren Stammzahlen wird man diesen Aufwand natürlich nicht leisten können - aber wenn man hier als schon mal ausnahmsweise Wasser ausbringt, dann wenigstens nicht direkt auf die Pflanze.

(Interessant ist die Argumentation meiner Mutter: Sie gießt den ganzen Sommer hindurch im Garten und grundsätzlich immer auf den Punkt direkt in die Johannisbeer-Büsche hinein. Als Begründung führt sie an, sie habe mal einen ausgegraben und der hatte auch nur dort Wurzeln. Darüber muss man mal nachdenken....!)

Sollten Frühlings- und Sommerdürren die Regel werden, ist ein Pflanz-Zeitpunkt im Spätherbst vorzuziehen. Bei Laubbäumen idealerweise kurz vor Beginn der Herbstverfärbung - ausreichend feuchte Witterung vorausgesetzt - weil hier ein natürlicher Schwerpunkt des Wurzelwachstumes liegt. (Was übrigens der Grund dafür ist, daß Waldpilze vor allem im Herbst Fruchtkörper machen.)

Ist eine Herbst-Dürre zu befürchten, dann lieber erst im November.

Tuff:
Ich hattee im Jahr 2005 bei der Erweiterung meines 'Eichen-Groves', in Umwandlung einer Mähwiese, das Risiko zunehmender Dürrezeiten noch nicht angemessen ernstgenommen.

Weil es aber eine steinige Kuppe ist, und weit weg von einer Wasserversorgung (und mein Ausfahr-Faß hatte ich damals noch nicht), habe ich dennoch ein paar geeignete Dinge unternommen. In erster Linie die Baumartenwahl: Als Hauptbaumarten Eßkastanie und Walnuss aus selbstgesammelten Samen von 'Wild- und Waldbäumen' vornehmlich aus höheren Lagen von Schwarzwald und Vogesen, denn ich möchte einen robusten und artenreichen Naturwald, keine Ernteplantage.

Mehr als ein karges Angießen war bei den ca. 100 extrem weitständig gepflanzten Jungpflanzen (30-50cm hoch) nicht möglich. Im selben Herbst der Pflanzunug gab es dann eine unerwartete Trockenheit. Die Spitzen der gepflanzten Maronenbäume sind fast alle vertrocknet.

Trockenstress direkt nach der Pflanzung ist eine sehr kritische Sache. Die Bäume haben sich aber im nächsten Frühling sehr vital regeneriert und wachsen seitdem ausgepsrochen problemlos - was mich von der Tauglichkeit dieser Baumart überzeugt hat. Die Walnüsse waren von der Trockenheit generell kaum beeindruckt ...

Eine Sache die ich vorab gemacht habe: Mit einem Pflug Rinnen gepflügt, damit Stark-Regenfälle nicht einfach abfließen. In die aufgeworfenen 'Wälle' (aus Grasnarbe) wurden dann die Bäumchen gepflanzt - also nicht direkt in die Rinne hinein. Das hat die Pflanzung sehr erleichtert (weil ich sonst mit der Spitzhacke Lächer in den flachgründigen, sehr steinigen Boden hacken müsste).

Tuff:
Wie bereits gesagt, hatte ich damals ausgeprägte Dürrezeiten noch gar nicht im Sinn. Heute bin ich aber froh, dort einiges ausprobiert zu haben, vom dem ich heute sagen kann, daß es funktioniert. (Dazu zählen auch partielle, massive Holzhäcksel-Auflagen, zu denen ich später noch kommen möchte.)

Einfach und billlig zu machen: Eine alte Badewanne aufstellen mit einer aufgelegten Platte, die das Regenwasser hineinleitet.

Der Hauptzweck bei mir bestand darin, nach Anschaffung eines 1000 Liter-Tanks (auf einie Karre montiert), durch den Wildzaun hindurch mit einem Rohr die Badewanne zu füllen, um dann Wasser für Neupflanzungen zur Verfügung zu haben. Welches ich dann einfach mit Eimern schöpfen konnte. So musste ich nicht auf der Fläche herumfahren. Nach dem Auffüllen wurden die neuen Pflanzen so einmal gründlich gewässert, und bevor ich wieder abfuhr, wurde die Wanne noch einmal gefüllt. Dieses Wasser konnte ich dann ein paar Tage später nochmal nachschieben, und brauchte dazu auch nur zu Fuß kommen.

Nach heftigen Regenfällen hat man in der Wanne immerhin genug Wasser, um ein paar einzelne Bäumchen vor dem Absterben zu retten oder um ein paar einzelne neu Gepflanzte anzugießen.

[ Apropos zu Fuß: Auf dem Fußmarsch dort hinauf habe ich im Sommer immer ein paar Wildstaudensamen abgegriffen, wie Schafgarbe, Johanniskraut, oder Fingerhut, und dann in der Fläche in die Ackerfurchen geworfen. So konnten sich diese Arten rasch auf der ehemaligen Mäh-Wiese ansiedeln. Im vorhandenen Gras wäre das nicht gelungen. Das ist ein weiterer Vorteil der Furchen, wenn man Interesse daran hat, die Artenvielfat und den ökologischen Wert zu erhöhen. ]

Tuff:
Wie schützt man einen Boden vor dem Austrocknen ?

Generell sind alle Maßnahmen geeignet, welche die Wasserspeicherkapazität erhöhen und den Boden vor direkter Sonnenstrahlung schützen.

In der Tiefe kann man aktiv die Humusanreicherung fördern, welche wiederum die Speicherkapazität erhöht und Wasser durch einen hohen Anteil von Mittelporen besser verfügbar macht. Darauf möchte ich später noch genauer eingehen.

Eine aufwändige Maßnahme wäre die Bedeckung mit mineralischen Stoffen (Schotter, Kies) welche einen effektiven Sonnenschutz darstellen. Dies wird wohl nur in den wenigsten Fällen möglich sein.

Auch die Bedeckung mit organischer Substanz ist geeignet, wenn sie mächtig genug ist. Im einfachsten Fall lässt man Schlagraum, der zB. auch beim Entbuschen anfällt, liegen. Es ist besser ihn dicht aufzuschichten, damit wenigstens diese Stellen effektiv geschützt sind, anstatt ihn locker zu verteilen, was bei einer Dürre/Hitzwelle keinen Effekt mehr hat.

Im Jahr 2014 vereinbarte ich mit einem Nachbarn, der seinen Betrieb als Baumfäller gerade begann aufzubauen, daß er seinen Grünschnitt entlang einer Außengrenze in meinem Laubwäldchen als Damm aufschichten kann.

Wenige Wochen später stieg er auf einen leistungsfähigen Häcksler um, und hatte nun fast keine Äste und dergleichen mehr; dafür aber große Mengen Hackgut (mit hohem Holzanteil) - wodurch sich für mich völlig neue Möglichkeiten ergaben. Für ihn war es günstig, seinen Abfall nicht auf eine Deponie fahren zu müssen. innerhalb von 2 Jahren konnte ich viele Dutzend Kubikmeter Häcksel flächig und  ökologisch verteilhaft verteilen. (Die Zufuhr wurde inzwischen aber sehr stark begrenzt - mittlerweile haben viele seiner Kunden den Wert des Rohstoffes erkannt und wollen ihn lieber vor Ort einsetzen, in ähnlicher Weise wie ich.)

Zuerst haben wir rings um die Fläche eine 'Fahrmatte' aufgeschüttet. Das hat gut funktioniert; es war aber klar daß man dort nicht mehr gut fahren kann, wenn die Verrottung fortschreitet. Aber ein de-facto Abstand zur güllegedüngten Wiese nebenan, welche noch zur selben Parzelle und damit mir gehört, erschien mir aber vorteilhaft. Diesen Streifen möchte ich auch als natürlichen Waldrand entwickeln - als ersten Schritt habe ich bereits Wildobstgehölze gepflanzt. Ich wollte das Einbringen in den Bestand aber generell auch nicht überstürzen und geeignete Stellen in Ruhe auswählen und vorbereiten.

Der Bauer muss auf diese ca. 4m Breite nun leider verzichten. Ich bin ihm aber mit meinem Projekt schon zu Beginn entgegengekommen, indem ich die Grenze als weiten, für ihn gut befahrbaren Bogen angelegt habe; er hat dort keinen rechten für die Maschinen "toten" Winkel mehr.  Für mich sehr aufwändig was den Wildzaunbau anging - es wurden mehr Pfähle notwendig, bei diesem Boden eine Plackerei. Ich erwähne dies nur um zu zeigen, daß bei Pflanzprojekten ein wenig vorausschauende Diplomatie nicht schaden kann.

Die Höhe der Aufschüttung sollte mindestens 20 cm betragen. Stellenweise mehr oder weniger - es kommt hier auf ein paar cm sicher nicht an.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln